«Vielleicht bin ich zu wenig Musikant. Und vielleicht finden ein paar Menschen, ich sei blöd, die Kapelle gerade jetzt, in einer Phase des Grosserfolgs, zu verlassen. Aber für mich kommt es nicht infrage, meinen Hauptberuf sausen zu lassen. Ich bin jetzt 44-jährig. Aber was ist in vier, fünf Jahren?»

Heinz Haldi ist das einzige Nicht-familien-Mitglied der Familienband Oesch’s die Dritten. Ihm fällt die Trennung spürbar schwer. Aber: «Ich habe vor über einem Jahr gemerkt, dass es mir langsam zu viel wird. 120 Konzert pro Jahr, die vielen Reisen und das viele Warten setzen mir zu. Dazu kommen unzählige Autogrammstunden. Und auch die CD-Aufnahmen brauchen Zeit. Das ist ein happiges Programm.»

Haldi, Betriebsmechaniker bei den Zweisimmen-Rinderberg-Bahnen, hat das Hauptberufspensum zwar auf 60 Prozent reduziert, und er konnte immer auf das Verständnis eines flexiblen Chefs zählen. Aber die Doppelbelastung war dennoch enorm. Haldi hat darüber hinaus zwei schulpflichtige Töchter. «Ich habe Angst, zu Hause etwas zu verpassen. Plötzlich sind meine Kinder gross und aus dem Haus. Und ich habe wegen meiner ständigen Abwesenheit nichts von ihnen gehabt.»

Der Akkordeonist, der schon mit Grossvater Hans Oesch musiziert hat und ihn als «musikalisches und menschliches Vorbild» bezeichnet, betont, dass die Trennung «nicht im Krach» erfolge. «Ich habe meine Zweifel früh angemeldet und ich habe auch meinen Entscheid früh mitgeteilt. Sodass die Oeschs ausreichend Zeit haben, für nächstes Jahr einen Nachfolger zu suchen.»

Auch musikalisch gibts kein Zerwürfnis zwischen Heinz Haldi einerseits und Melanie, Annemarie, Kevin, Mike und Hansueli Oesch andererseits. «Mir gefallen Ausrichtung und Stil der Band. Und dass Melanie im Vordergrund steht, ist nichts als folgerichtig. Sobald sie auf die Bühne kommt, kann jeweils nichts mehr schiefgehen.»

Am 27. Dezember ist definitiv Schluss. Der Auftritt im «Zelt» in Bern werde wohl eine emotionale Sache werden, befürchtet Heinz Haldi. Wie es mit ihm als Musikant weitergeht, weiss er noch nicht. «Als Erstes werde ich bestimmt eine lange Pause machen. Ich höre nicht bei den Oeschs auf, um gleich wieder bei einer neuen Formation einzusteigen.» Wenn aber eine befreundete Kapelle eine Aushilfe brauche, werde er bestimmt nicht Nein sagen. «Wir waren auch immer froh, wenn wir bei einer temporären Absenz einen Musiker schnell ersetzen konnten.»

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