Es war von Anfang an eine Dreierbeziehung: Francine Jordi, Florian Ast und die Boulevardpresse. Seit die beiden Musikstars im Juni 2011 ihre Liebe verkündeten, kamen sie nicht aus den Schlagzeilen. Was sie tun, wird Stoff für den Boulevard.

Wie «Blick»-Starreporter André Häfliger es formuliert: «Es ist der Idealfall. Interessant, weil beide prominent sind. Das gibt einen Verdopplungseffekt.» Das grosse Leserinteresse sei evident: «Wenn eine Geschichte mehrere Tage läuft, sind die Zahlen immer gut.»

Seit dem berüchtigten SMS, welches beim Schweizer 1-A-Traumpaar Jordi/Ast das Liebes-Aus besiegelte, überschlägt sich die Boulevardpresse. Es scheint kein Thema zu geben, das mehr bewegt als die Trennung der beiden Gesangsstars. Beatrice Zollinger, die als Chefredaktorin der «Glückspost» dem Herz-Schmerz-Empfinden der Schweizer den Puls fühlt, meint: «Das Leserinteresse ist sehr gross. Allerdings sind die Meinungen geteilt. Die Leserinnen und Leser haben nämlich nicht vergessen, dass die beiden für ihre Liebe ihre Ehen geopfert haben, und dass es daher unnötig sei, mit Francine Mitleid zu haben. Es ist ihr halt jetzt gleich gegangen wie damals vor einem Jahr dem Tony Rominger.»

Die Geschichte kennt jeder: Der Mundart-Rocker und die Schlagersängerin nahmen gemeinsam eine Platte auf, da funkte es, er trennte sich nach acht Jahren Ehe von der Visagistin Esther, sie verliess nach zwei Jahren den Radrennfahrer Tony Rominger. In «Blick» und «Schweizer Illustrierte» kamen die unvermeidlichen Schlagzeilen, und die CD «Lago Maggiore» wurde ein Hit.

Nach etwas über einem Jahr der Paukenschlag. Als Florian Ast aus den USA zurückkommt, entdeckt Francine Jordi ein SMS, das sie vermuten lässt, dass er sie mit der Sängerin Sol Romero betrogen hat. Mitten in der Nacht schmeisst sie ihn aus der gemeinsamen Wohnung, umgehend ruft sie den «Blick» an, er habe sie betrogen und alles sei aus. Der «Blick» teilt der geschockten Nation die Trennung mit.

Für Beatrice Zollinger ist dieses Liebes-Auf-und-Ab der klassische Boulevard-Stoff: «Es ist die ideale Konstellation, weil alles darin vorkommt, was eine emotionale Geschichte braucht. Ein Traumpaar, das alle kennen, ein gebrochenes Herz, Tränen, Betrug, ein reuiger Mann, Mitleid, aber auch etwas Schadenfreude.»

Die Verbindung Ringier-Presse/Promiszene ist für beide eine Win-Win-Situation. Die Presse hat ihre Schlagzeilen, die Prominenten bleiben im Gespräch, das ist ihren Geschäften förderlich. Da die Promis vor allem in der Ringier-Presse vorkommen, gibt es Verschwörungstheorien über Verträge und Abmachungen. Solche gebe es nicht, wird beteuert. Stefan Regez, Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten»: «Verträge und Abmachungen gibt es nicht. Schon gar nicht exklusive.» Häfliger: «Mit Ast und Jordi arbeiten wir generell gut zusammen. Es sind gegenseitige Interessen.»

Es ist nicht so, dass Häfliger auf der Lauer liegt oder dass die «Blick»-Reporter die Wohnungen der Stars verwanzen. Man kennt sich, pflegt locker den Kontakt, und der Reporter meldet sich ab und zu beim Promi und fragt, was es Neues gibt. Und wenn sich kein Reporter meldet, wird der Promi aktiv, organisiert Plattentaufe, Buchpremiere oder Geburtstagsparty und lädt die Presse ein. Dann kommt er auch wieder mal in der Zeitung.

Dass Francine Jordi den «Blick» informierte, war eine Ausnahme. Häfliger: «Es sind immer noch wir, die sich bei den Prominenten melden.» Beatrice Zollinger schliesst daraus, dass Francine Jordi «ungeheuer verletzt» gewesen sein müsse. Denn sie kenne sie als nicht besonders publicitysüchtig. «Sie will, dass man über ihre CDs berichtet, nicht über ihr Privatleben.»

Als die «Glückspost» seinerzeit die Hochzeitsreportage Francine Jordi/Rominger darauf fokussierte, dass Romingers Kinder aus erster Ehe nicht eingeladen waren, sei Francine Jordi «richtig böse» geworden. Wenn man Florian Ast etwas lassen muss, lustig ist er. So sagte der Schlagzeilen-Beherrscher in der «Schweizer Illustrierten» (Sieben-Seiten-Reportage): «Mein Privatleben geht ja eigentlich niemanden etwas an.»

Stefan Regez, Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten»: «Es ist nicht so, dass Herr Ast angerufen hätte, weil er endlich reden wollte. Wir haben lange gekämpft, bis wir dieses Interview bekamen.»

«Sündigt! Aber verschont uns mit eurer Beichte», mag sich mancher Leser denken. Man habe es jetzt gelesen, man kenne die Geschichte, teilen Jordi-Ast-Genervte in Internetforen mit. Doch das Jordi-Ast-Finale scheint die Menschen doch zu beschäftigen. Hohe Identifikationsquote, denn: Vor nichts fürchtet der Mensch sich mehr, als dass er den Partner beim Fremdgehen ertappt.

So schaffte es die Boulevard-Story, man höre und staune, bis ins katholische Pfarrblatt «Forum». Als humoristische Einlage. Unter dem Foto, wo die beiden gemeinsam singen, steht: «Lihihihibling, hast Du mir was zu beichten?»

Im Moment wird spekuliert, ob sich zwischen TV-Frau Christine Maier und Unternehmer Philippe Gaydoul etwas anbahnt. Die beiden geben keinerlei Kommentare ab. Vielleicht sind sie klüger. Ihrer Beziehung, falls eine solche existiert, würde Publizität mehr schaden als nützen.

* Die Autorin ist Journalistin und Society-Kolumnistin in Zürich.

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