VON PATRIK MÜLLER

Klaus Schwab zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen, man sieht ihm nicht an, dass er bald 73-jährig wird. Diese Woche begrüsste er in gewohnter Frische die Mächtigen der Welt: Russlands Präsidenten Medwedew, Deutschlands Kanzlerin Merkel, Frankreichs Staatspräsident Sarkozy, Grossbritanniens Premier Cameron.

Und doch hat begonnen, was Schwab lieber vermeiden möchte: In Medien und an den WEF-Partys wird zum Gesprächsthema, wie es nach der Ära Schwab weitergeht. «Was kommt nach Schwab?», fragt der «Tages-Anzeiger», «Kofi Annan könnte der Nachfolger sein», mutmasst die «Weltwoche». Annan, der ehemalige UNO-Generalsekretär, kommentiert diese Spekulation kurz angebunden, als ihn «Der Sonntag» gestern Samstag darauf anspricht: «Das ist für mich überhaupt kein Thema.» Gegen Annan spricht auch, dass er gleich alt ist wie Schwab.

Anders reagiert Bill Clinton am Rand einer Party von Coca-Cola im Davoser Posthotel. Auf die Frage, wie es nach Schwab weitergehe, sagt er: «Das ist eine grosse Herausforderung. Diese bewundernswerte Veranstaltung ist die Leistung von Klaus Schwab, sie lebt von ihm», sagt Clinton. «Bei Organisationen, die von einer Persönlichkeit stark geprägt sind, ist die Nachfolgefrage stets von hoher Bedeutung. Solche Überlegungen mache auch ich mir mit meiner Stiftung.» Die William J. Clinton Foundation engagiert sich in der Armutsbekämpfung und für eine bessere Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern.

Kann sich der 64-Jährige denn vorstellen, dereinst das WEF-Präsidium von Klaus Schwab zu übernehmen? Bill Clinton schmunzelt nur und sagt dazu gar nichts. Ein Dementi klingt anders.

Zurzeit gibt es keine Anzeichen, dass Klaus Schwab demnächst abtritt. Er versteht sich als Intellektuellen und als Künstler – und diese kennen kein Pensionsalter. Dennoch hat die Organisation für alle Fälle vorgesorgt. Der neue WEF-Direktor Alois Zwinggi sagte in der «Aargauer Zeitung»: «Wir haben einen hochkarätigen Stiftungsrat, vergleichbar mit einem Verwaltungsrat.

Dort ist die Nachfolge ein Thema – es ist klar geregelt, wie es ohne Professor Schwab weitergehen würde.» Bei einer Nachfolge, so Zwinggi weiter, würden die operative Leitung (der CEO) und die Stiftungsratsleitung (der Verwaltungsratspräsident) getrennt.

Das heisst, dass der Präsident kein Vollamt hätte und damit der Weg frei wäre für eine Persönlichkeit von internationalem Format à la Clinton, die diese Funktion neben ihren bisherigen Tätigkeiten ausüben könnte.

Eher unwahrscheinlich, aber nicht auszuschliessen ist, dass Klaus Schwab sein Lebenswerk in die Hände seiner Kinder gibt. Obwohl beide über Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügen, die sie dazu befähigen würden. Tochter Nicole Schwab, die in Cambridge und Harvard studiert hatte, führte 2005 und 2006 die WEF-Abteilung Young Global Leaders. Heute leitet sie eine Stiftung namens «The Gender Equality Project», die sie mitbegründet hat, die sich für die Gleichberechtigung von Frauen einsetzt. Sie war diese Woche am WEF sehr präsent und beteiligte sich an einem Podium, bei dem es um Gleichberechtigung ging.

Sohn Olivier M. Schwab ist in der Öffentlichkeit bislang nicht in Erscheinung getreten. Er ist seit Juli letzten Jahres beim WEF angestellt, wo er den Bereich Technology Pioneers leitet. Er hatte an der ETH Lausanne und am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) Ingenieurwissenschaften studiert und arbeitete danach in der Privatwirtschaft.

Trotz dieser Voraussetzungen sagte Klaus Schwab zur «Bilanz»: «Meine Kinder haben beide klar gesagt, sie würden nur wenige Jahre hier arbeiten und dann etwas Neues beginnen.» Und er ergänzt, die Organisation gehöre ja auch nicht der Familie, sondern sei eine Stiftung.

Vielleicht aber bleibt der WEF-Gründer länger, als alle glauben. Vor zwei Jahren sagte er: «Wer weiss, vielleicht eröffne ich das Forum in 50 Jahren noch genauso vital wie heute.» Dann wäre er 120-jährig. «Eine schöne Perspektive», wie er anfügt.

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