VON PASCAL MÜNGER

Das hat man in der Schweiz noch nie gekannt: Eine junge Sängerin mit einer Wahnsinnsstimme ist seit knapp zwei Jahren in aller Munde, räumt Preise ab und hält sich beinahe ein Jahr in den deutschen Charts. Die «Emo-Bibliothekarin mit der Stimme von Joss Stone», wie Promi-Blogger Perez Hilton Stefanie Heinzmann nach ihrem Sieg bei Stefan Raabs Castingwettbewerb nannte, wurde über Nacht zu einem Superstar.

Die 20-jährige Walliserin ist die helvetische Version einer Susan Boyle: Ein völlig unscheinbares Mauerblümchen, schüchtern und mit dicker Brille auf der Nase. Auf der Strasse würde man an ihr vorbeigehen wie an jedem anderen auch. In der heutigen Pop- und Rockwelt sehen Stars anders aus. Sobald sie aber singt, bleibt uns die Oberflächlichkeit im Hals stecken.

Heinzmann eroberte mit ihrer leicht rauchigen Soul-Stimme die Herzen der TV-Total-Zuschauer im Sturm und schaffte es 2008 mit ihrem in drei Wochen eingespielten Debüt «Masterplan» an die Spitze der Charts in der Schweiz und aufs Bronze-Treppchen in Deutschland.

«Am Anfang machte mir der Rummel um meine Person enorme Angst», sagt Heinzmann dem «Sonntag» heute. «Die riesige Musikbranche mit ihren vielen Rädchen, die ineinanderspielen, war mir unheimlich. Mittlerweile habe ich mich aber an meinen Erfolg gewöhnt und fühle mich pudelwohl.»

Auch im Umgang mit den Medien ist Stefanie Heinzmann ein Profi. Beeindruckend gelingt ihr der Spagat zwischen Deutschland und der Schweiz, indem sie beiden Ländern das Gefühl vermitteln kann, sie sei ihre Künstlerin. Im Norden spricht sie in Interviews ein beinahe akzentfreies Hochdeutsch und lässt nie unerwähnt, dass sie den ganzen Erfolg Stefan Raab und seiner Show zu verdanken hat.

Ist sie in der Schweiz, erzählt sie Journalisten, dass ihr neues Album «Roots To Grow» eine Hommage an ihren Kanton Wallis ist, in dem sie sich immer noch am wohlsten fühle. «Meine Heimat, meine Familie und meine Freunde sind mir extrem wichtig. Sie sind meine Stützen und die Grundlage, auf der ich meinen Erfolg aufbaue», meint die Sängerin.

Dass sie damit in beiden Lagern perfekt ankommt, zeigte sich im Februar mit einer Weltpremiere. So wurde sie sowohl in der Schweiz bei den Swiss Music Awards nominiert als auch in Deutschland bei der Echo-Verleihung in der Kategorie «Bester Künstler national» – und gewann gleich beide Trophäen.

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