Mirjam Fischer ist studierte Kunsthistorikerin; sie arbeitet in einem Verlag, der sich auf Künstlerbücher spezialisiert hat. Beat Schlatter ist als Schauspieler vorwiegend im komischen Fach tätig. Die beiden verbindet einerseits das Band der Liebe; sie haben im vergangenen Sommer geheiratet. Es verbindet sie aber auch die Liebe zur zeitgenössischen Kunst. Mirjam und Beat, muss man wissen, lernten sich einst in einer Galerie vor einem Werk von Andreas Dobler kennen. Mirjam: «Wir fanden beide, dass man dieses Werk kaufen müsste.» Sie haben es getan; es hängt heute in Schlatters Wohnung über dem Sofa.

Seit Fischer & Schlatter ein Paar sind, sind sie häufig gemeinsam in Galerien und Museen anzutreffen. Im In- und Ausland. Auch an der Documenta, auch an der Biennale. Mirjam: «Den Kunstgenuss mit jemandem zu teilen, der über einen ähnlichen Geschmack verfügt, kann zu eigentlichen Glücksmomenten führen.» Die Kunsthistorikerin betont, dass sie nicht Händchen haltend und schwärmend von einem Werk zum nächsten schlenderten: «Wir haben beim Bilderbetrachten ein unterschiedliches Tempo.» Beat: «Wir warten aber immer wieder aufeinander und erkundigen uns gegenseitig, was am meisten Eindruck gemacht, was die stärksten Emotionen ausgelöst hat.»

«Emotionen»: Der Begriff taucht auch in Schlatters Antwort auf die Frage auf, was Kunst im besten Fall bewirke: «Sie emotionalisiert, lässt einen nicht in Ruhe.» Mirjam ergänzt, dass die Emotionen selbstverständlich auch negativ sein könnten. «Kunst muss zu Auseinandersetzungen führen, soll Reibung erzeugen, darf hinterhältig sein.»

Die Idee, Schlatter und Fischer als Kuratoren einzuspannen, stammt vom Zürcher Galeristen Stephan Witschi. Er wusste, dass sich die beiden seit langem in Künstlerkreisen bewegen und manche Künstler zu ihrem Freundeskreis gehören. Dieser Freundeskreis ist zum «roten Faden», zum «kuratorischen Prinzip« der Ausstellung geworden, die nach Ansicht von Mirjam «etwas malereilastig ist». In der Tat: Malerei überwiegt, von Anton Bruhin bis Timmermahn. Es gibt nur wenige Installationen. Und natürlich eine Skulptur von Klaudia Schifferle, mit der Beat Schlatter in den frühen Achtzigerjahren in der Punkband Liliput spielte und die sein Kunstinteresse ganz entscheidend mitgefördert hat. Zu den Überraschungen der Ausstellung gehört etwa der Schauspieler Andreas Matti, der sich als eigenwilliger Künstler präsentiert.

Zurzeit sind Schlatter und Fischer daran, die Bilder zu sortieren. Das sei ein Abenteuer, sagt Mirjam, weil sich die Werke in ihrer Wirkung «nicht gegenseitig erschlagen sollten». Da die Galerie räumliche Grenzen setzt, muss die Anordnung nach dem «Petersburger Prinzip» erfolgen: Die Bilder hängen dicht an dicht, es gibt kaum Weissraum. Alle sind käuflich zu erwerben. Auch Schlatter und Fischer werden das eine oder andere Werk erstehen. Über dem Sofa in Fischers Wohnung hats noch Platz.

«Kunst macht glücklich» wird ab 21. April in der Galerie Stephan Witschi in Zürich 4 gezeigt. Öffnungszeiten: www.stephanwitschi.ch

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