Welches ist der grösste Schweizer Hit der letzten Jahre? «Ha ke Ahnig» von Steff la Cheffe (2013) oder «Jung verdammt» von Lo & Leduc (2014)? Oder vielleicht doch «Hippie-Bus», der Überflieger-Song des aktuellen Jahres? Dem Zürcher Sänger, Komponisten und Produzenten Dodo ist das völlig, egal, denn er hat alle Songs komponiert und produziert. Vor allem sein «Hippie-Bus» ist nicht zu stoppen. Seit inzwischen 29 Wochen steht er in der Schweizer Hitparade – und ein Ende ist nicht abzusehen. Goldstatus für 15 000 verkaufte Einheiten hat der Song längst erreicht. Gegen 25 000-mal wurde er bisher verkauft und steuert auf die Platinmarke (30 000) zu.

Dodos Hitfabrik läuft auf Hochtouren und am nächsten Freitag folgt der nächste Streich: «Anti-Brumm», das neue Album des aktuellen Hitschreibers der Nation mit elf neuen, zum Teil hitverdächtigen Songs im Reggae- und Dancehall-Stil.

Der Erfolg ist Dodo nicht in den Schoss gefallen. Überhaupt hatte es der 38-jährige Dodo Jud in seinem Leben nicht einfach. In Kenia geboren und in Abidjan, Elfenbeinküste, aufgewachsen, kam Klein Dodo im Alter von sieben Jahren in die Schweiz. Die Eltern sprachen zwar deutsch mit dem Buben, aber er antwortete stets französisch und weigerte sich, deutsch zu sprechen. Umso grösser waren die Probleme in der Schule. «Ich konnte das rollende «R» nicht aussprechen, weshalb man mich in den Sprachheilunterricht steckte», sagt er. Heute ist sein «Sprachfehler» Markenzeichen und Dodo setzt ihn in seinen Texten gezielt als stilistisches Mittel ein.

Auch als Musiker ist der Zürcher alles andere als ein Schnellstarter. Seine Karriere verlief harzig und in der Szene wurde er lange belächelt. Die ersten Gehversuche floppten, als Sänger fehlten ihm das Talent und als Rapper der «Flow». Da half es auch nicht, dass er damals Pionierarbeit leistete: Dodo war der erste Schweizer Reggae-Sänger, der Mundart sang – lange vor Kollege Phenomden.

Seiner Karriere nicht gerade förderlich war auch die Teilnahme an der Reality-Show «Expedition Robinson» des Senders TV3, wo er vor 16 Jahren als ewig bekiffter Rastafari mit Schlafzimmerblick auffiel: Dodo, der schräge Vogel. Doch Dodo liess sich nicht beirren, hartnäckig arbeitete er an sich und an dem, was für ihn Leidenschaft und Berufung bedeutet. «Ich darf nicht aufgeben, das zu machen, was ich liebe», sagte er sich – 19 Jahre lang. Er musste gegen Vorurteile ankämpfen und wurde jahrelang unterschätzt. Er hatte immer wieder gute Ansätze, ein Gespür für poppiges Flair. Doch seinen Projekten hatte bisher auch immer etwas gefehlt. Vor allem die Texte waren zum Teil unausgegoren, die Sozialkritik zu angestrengt.

In der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern hat er seinen Knopf aufgetan. «Mich muss man lang lagern», sagt er. In der Zusammenarbeit mit Steff la Cheffe, James Gruntz und Lo & Leduc habe er Entscheidendes gelernt. Jetzt ist sein Durchhaltewille belohnt worden, hat es endlich geschafft.

Auf «Anti-Brumm» hat er seinen missionarischen Eifer abgelegt und stark an seinen Texten gefeilt. Zum Teil sind ihm die Kumpel von Lo & Leduc beratend zur Seite gestanden. Entstanden sind elf Kurzgeschichten in «Züri-Dütsch». «Ich will nicht mehr die Probleme aufzeigen, sondern die Lösungen präsentieren», sagt er.
Wie lautet Dodos Erfolgsformel? «Der Erfolg beginnt bei dir selbst. Ich will meine Leidenschaft, meine Freude leben. Dann stellt sich der Erfolg, früher oder später, wie von selber ein. Glück ist ansteckend. Die Leute merken das und du wirst zum Magnet des Glücks und des Erfolgs», sagt er. Diese positive Energie strahlt er aus und ist in seinen Sound geflossen. Das Gesamtpaket stimmt, Dodos Musik ist bei Dodo angekommen.

Dodo: Anti-Brumm, Sony. Erscheint am 25. September.

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