Nationalbankchef Thomas Jordan und SBB-Chef Andreas Meyer können nicht mal gemeinsam Daniel Vasella das Wasser reichen. Nicht in Sachen Führungsfähigkeiten, sondern in Bezug auf die Anzahl Artikel, in denen die Wirtschafts-Top-Shots 2013 in Schweizer Medien Erwähnung fanden. 2237-mal taucht der Name des ehemaligen Novartis-Präsidenten in Texten auf. Dies zeigt eine Auswertung der «Schweiz am Sonntag» der Schweizerischen Mediendatenbank (SMD).

Am 23. Januar gab Vasella seinen Rücktritt vom Pharmakonzern bekannt. Neuer Präsident wurde Jörg Reinhardt. «Vasella überrascht mit Rücktritt», «Mr. Novartis geht» oder «Der Millionen-Mann hat genug» lauteten die Titel. Doch nebst zahlreichen Würdigungen wurden vor allem seine Saläre und Boni aus der Vergangenheit erwähnt. Umso mehr, als bekannt wurde: «Daniel Vasella erhält auch nach seinem Abgang Millionen». Der öffentliche Druck war enorm, und nach längerem Hin und Her war klar: «Vasella verzichtet auf seine 72 Millionen.» Doch für die Gegner der Abzocker-Initiative von Thomas Minder (2590 Nennungen) war der Schaden bereits angerichtet. «Ein Grund mehr, die Minder-Initiative anzunehmen», lautete der Titel eines Leserbriefes, der wohl vielen Wählern aus dem Herzen sprach. Vasella war wochenlang in aller Munde. Auch als im März bekannt wurde: «Vasella wandert in die USA aus».

Der zweitplatzierte Andreas Meyer, Chef der SBB, wurde 2013 ebenfalls oft in negativen Zusammenhängen in der Presse erwähnt. Anfang Jahr erfuhren die Leser: «SBB spüren Flaute im Tourismus» und «SBB verlieren Kunden». Deshalb stellte der «Blick» Bahn-Präsident Ulrich Gygi die Frage: «Wieso kriegt der SBB-Chef mehr Lohn, Herr Gygi?».

Es folgten verschiedene Unfälle, die den SBB-Chef in Erklärungsnot brachten, wie zum Beispiel nach der Kollision von zwei S-Bahn-Zügen in Neuhausen. «SBB tappen im Dunkeln», hiess es. Ebenfalls negative Schlagzeilen für Meyer brachte das verursachte Tarif-Chaos bei den neuen Ticketautomaten: «Kundenärger zwingt SBB zu mehr Kulanz». Gleichzeitig bereitete Meyer sein Lieferant der Doppelstockzüge, Bombardier, wegen Terminverzögerungen Kopfschmerzen: «SBB drohen Bombardier mit Rekordbusse».

Zum ersten Mal seit fünf Jahren, seit der ersten Auswertung der «Schweiz am Sonntag», steht kein Grossbanken-Vertreter auf dem Podest, dafür der oberste Banker des Landes: Bronze geht an Thomas Jordan, Chef der Nationalbank, mit 929 Nennungen. Er hatte dieses Jahr weiterhin die Aufgabe, den Euro-Franken-Mindestkurs in der Öffentlichkeit zu verteidigen. Hinter ihm folgt Carsten Schloter, dessen Suizid im Juli und dessen Aufarbeitung die Schweiz bewegte.

Die Auswertung basiert auf der Schweizer Mediendatenbank, welche die Texte bedeutender Schweizer Medientitel und einiger internationalen Periodika archiviert. Sie dient in erster Linie Journalisten zur Recherche. Mitarbeit: hec

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper