Kisha war ganz oben: Vor 13 Jahren landete die Berner Sängerin mit ihrem Song «Why?» einen Superhit, der sich sogar in den deutschen Charts platzieren konnte. «Ich war das Schätzchen der Nation», erzählt sie dem «Sonntag» rückblickend. Eine grosse Pop-Karriere schien vorgespurt.

Doch Kisha, bürgerlich Brigitte Kobel, konnte den Erfolg nicht bestätigen. «Plötzlich war alles nur noch Scheisse», sagt sie, «ich war damals 19 Jahre jung, überfordert und konnte mit der Kritik nicht umgehen.» Aus dem Schätzchen wurde in der Wahrnehmung des Publikums die verwöhnte, arrogante Göre, der der Erfolg in den Kopf stieg. Kishas Image war am Boden.

«Ich habe viele Fehler gemacht», erzählt Kisha im Gespräch mit dem «Sonntag» selbstkritisch, «ich war naiv und habe viel zu viel geplaudert.» Ein gefundenes Fressen für die Boulevard-Presse. Sie gab der Sängerin den Rest. Kisha wurde wie Gunvor und Piero zum Medienopfer.

Kisha versuchte den Imagewechsel, sang plötzlich Mundart. Doch Single wie Album floppten. «Meine Fans verstanden mich nicht mehr, waren irritiert», sagt Kisha. Die Plattenfirma liess die talentierte Sängerin fallen und löste den Vertrag auf. Um Kisha wurde es ruhig.

Der Anstoss zum Comeback kam von Reto Burrell, dem Initiator von C.H. (steht für Country Helvetia). Der 38-jährige Singer-Songwriter zählt seit Jahren zu den besten Songschreibern der Schweiz, bewegte sich aber bisher abseits des Pop-Mainstreams. Mit dem Trio C.H. sucht Burrell jetzt den kommerziellen Erfolg.

Die Idee zum Projekt hatte der Nidwaldner mit amerikanischen Wurzeln vor drei Jahren in Nashville. «Dort wurde mir bewusst, dass die Zukunft der Popmusik dem neuen, poppigen ‹New Country› gehören wird», erzählt Burrell. Vor allem Lady Antebellum hatte es ihm angetan, das Trio mit doppeltem Leadgesang.

Burrell merkte aber auch, wie nahe dieser Sound eigentlich bei der Schweizer Mundart-Musik etwa von Gölä ist. «Diese beiden Welten wollte ich deshalb vereinigen, diese einfache, ehrliche, handgemachte und manchmal kitschige Musik mit Geschichten aus der Schweiz, erzählt und gesungen in Mundart», erzählt Burrell.

C.H. hat einiges mit Lady Antebellum gemeinsam. Neben Kisha singt der Multi-Instrumentalist Nori Rickenbacher. «Für mich ist Nori schon lange einer der besten Sänger der Schweiz», sagt Burrell, «und zu Kisha passt er perfekt.» Der 38-jährige Schwyzer machte sich an der Seite von Caroline Chevin einen Namen und spielt noch heute in ihrer Band als Schlagzeuger, mit seinen Solo-Projekten als Sänger blieb der grosse Erfolg aber aus. «Mit C.H. soll sich das jetzt ändern», sagt Rickenbacher.

Mit Schweizer Country-Pop, durchsetzt mit Fiddle und Steel-Guitar, wollen die drei jetzt den Mainstream und die Charts stürmen. Vorgemacht hat das in diesem Jahr auch Tinkabelle, die mit Erfolg Country-Elemente in ihre Musik integriert. «Für Country braucht es aber mehr als ein Banjo oder einen Cowboy-Hut», sagt dazu Burrell und distanziert sich vom «Cöntry» der alten Schweizer Garde wie vom Pop mit Country-Elementen von Tinkabelle. «Echten Country singt man nicht einfach, man erzählt Geschichten aus dem Leben», erklärt Burrell.

Deshalb auch Schweizer Mundart. «Es sind unsere Geschichten, unsere Geschichten aus dem Schweizer Alltag, und alle sollen sie verstehen», ergänzt Rickenbacher. Die Geschichten tragen denn auch stark autobiografische Züge, und gerade Songs wie «Gib nid uf» nimmt man dem Trio ab. C.H. soll echt und authentisch sein. Eben: Country Helvetia. «Wir werden uns an unseren Konzerten auch nicht verkleiden. Der klassische Cowboy-Style passt nicht zu uns», sagt Kisha.

Kisha, Burrell und Rickenbacher sind nicht die Ersten, die es in der Schweiz mit Country-Musik versuchen, aber die Ersten, die konsequent auf Mundart setzen und damit jene Authentizität schaffen wollen, die dem «Cöntry» abgeht.

«C.H. ist kein Mainstream-Schnellschuss für erfolglose Musiker, sondern ein ausgereiftes, langfristig angelegtes Projekt», betont Burrell. Bei EMI Music Schweiz sind mindestens drei Alben mit C.H. geplant.

Trotz der schlechten Erfahrungen, die Kisha mit Mundart gemacht hat, ist sie überzeugt, damit auf dem richtigen Weg zurück zum Erfolg zu sein. «Meine Stimme tönt auf Mundart besser und ich fühle mich dabei wohler», sagt sie. Die «kreative Pause» hat ihr gutgetan. Drei Tage pro Woche arbeitet sie in einem Geschenkartikel-Laden. Die einst arrogant wirkende Zicke ist bescheiden geworden. Sie ist froh, dass sie bei C.H «nicht mehr so exponiert» ist und «die Last der Erwartungen teilen kann».

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