Les jeux sont faits. Das hiess es am Samstag nicht im Casino von Monte Carlo, das wegen der Prinzenheirat geschlossen war, sondern im Ehrenhof des Fürstenpalastes: «Ich erkläre euch für vereint durch das Band der Ehe», meinte der monegassische Offizier Philippe Narmino formelhaft vor 850 Staatsgästen und Prominenten.

Erst jetzt, einen Tag nach dem standesamtlichen Jawort, erachtet das staatskatholische Riviera-Land die beiden Brautleute für verheiratet; erst jetzt ist Charlene zur Fürstin aufgestiegen. Da dieser Begriff im Französischen unbekannt ist, wird die 33-jährige Südafrikanerin «Princesse Charlene» genannt. Damit steht sie im gleichen Rang wie Albert II. – während ihre Familie gar keinen Adelstitel erhält.

Im Fürstenpalast sind ausserdem 3500 Monegassen dabei, fast die Hälfte aller Staatsbürger. Sie schwenken Fähnchen, brechen aber nicht gerade in Freudentaumel aus. Wegen der Gerüchte über die zuvor geplatzte Abreise Charlenes? «Diese Geschichten wurden von den Medien erfunden, um nach der britischen Prinzenhochzeit den Einsatz in Monaco hochzutreiben», ärgert sich ein schwitzender Bürger im Casino-Jargon.

Warum jubeln die lateinischen Monegassen weniger als die phlegmatischen Briten im April beim Heiratskuss der Windsors? Charlene und Albert wirken aus der Nähe nämlich noch einnehmender und normaler als Kate und William; weniger perfekt und weniger versnobt auch – menschlicher eben. Nein, der Grund liegt woanders. Vielleicht darin, dass die Reserviertheit der monegassischen Operetten-Monarchie etwas Gekünsteltes hat. Das steife Protokoll der Mikro-Monarchie wirkt so erstickend wie ihr Reichtum. Abends zirkulieren in den steilen und kurvenreichen Strassen des Ministaates so viele Bentley-Kabrios, dass ein Renault Twingo mehr auffiele.

Albert muss die gleiche pompöse Carabinieri-Uniform wie seinerzeit sein Vater Rainier III. tragen. Trotz aller Ausschweifungen der Grimaldis herrscht in den besseren Kreisen Monacos eine strenge katholische Etikette. Die 7800 Monegassen sind die Upper Class eines Fürstentums, in dem die übrigen 27 000 Einwohner Bürger zweiter Klasse sind.

Und die halten sich bedeutend weniger zurück. Als Charlene und Albert in ihrer offenen Lexus-Limousine vom Fürstenpalast ins Stadtzentrum hinunterfahren, kommt doch noch Festfreude auf. Tausende von niederen Einwohnern und Touristen säumen den Weg zur Devotenkirche und jubeln dem Paar zu. Jetzt taut das Paar auch auf. Die neue Fürstin legt in der Kapelle traditionell einen Blumenstrauss nieder; auch Grace Kelly hatte das 1956 getan. Charlene übermannt die Rührung. Dicke Tränen rollen ihr über die Wangen; der zwanzig Jahre ältere Gatte beruhigt sie, indem er sie ungelenk über die Fingerspitzen streichelt.

Bald strahlt Charlene wieder. Nach der steifen Ziviltrauung vom Vortag wirkt das monegassische Fürstenpaar entspannt und locker. Als der ortsansässige Erzbischof Bernard Barsi von «exklusiver und endgültiger» Liebe predigt, zwinkert Albert Charlene komplizenhaft zu. Damit nimmt er der schwerfälligen Anspielung auf die Gerüchte die Spitze. Und er bedeutet, dass er das Spiel mitspielt, es aber auch nicht bierernst nimmt.

Der 53-jährige Fürst versucht seit seinem Machtantritt 2005, das strenge Korsett seiner Regentschaft zu lockern und ihr eine persönliche Noten zu verleihen. Für die offene Fahrt am Jachthafen vorbei hat er einen ökologisch korrekten Hybridmotor ausgewählt. Die versprochene CO -Bilanz der Heirat wird deswegen nicht viel tiefer ausfallen – die hohen Gäste bewegen sich nämlich in 200 BMW-Karossen zum Galadiner von Starkoch Alain Ducasse. Dafür hat der Ehrenbürger Monacos versprochen, dass alles Gemüse aus lokaler und nachhaltiger Produktion eines von Albert überwachten Grimaldi-Gutes stammt.

Bei dem Galadiner in der Garnier-Oper geht es allerdings nicht sehr grün, dafür gediegen zu. Jede Menge Monarchen und Staatsoberhäupter – von Schweizer Seite der Botschafter in Paris – waren unter den 500 Geladenen. Dazu Stars wie Karl Lagerfeld oder Naomi Campbell.

Am meisten fiel Nicolas Sarkozy auf, weil er ohne seine Frau Carla Bruni kam. Sie ist nämlich in Erwartung. Charlene von Monaco will das auch «bald» sein, wie sie in einem Interview angedeutet hat. Der Abend wurde mit einem Feuerwerk beschlossen, bei dem die Garben nach Angaben aus dem Fürstenpalast 300 Meter in die Höhe schossen.

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