Simone Erni (69) hat einen Anwalt eingeschaltet. Die Tochter aus erster Ehe des im März mit 106 Jahren verstorbenen Jahrhundert-Künstlers Hans Erni setzt mit einer Millionen-Forderung ihre Stiefmutter Doris Erni (89) und deren zwei Kinder unter Druck. Schon morgen Montag läuft ein erstes Ultimatum ab: Gemäss Insider-Informationen fordert die hochverschuldete Künstlerin Simone Erni den von ihrem Anwalt berechneten gesetzlichen Pflichterbteil von 18,2 Prozent vom Nachlass ihres Vaters.

Zahlen zum Vermögen von Hans Erni sind bisher noch nie an die Öffentlichkeit gelangt, in keinem Reichen-Ranking war er je gelistet. Doch Kunsthändler Raphael Fornara-Erni (58), seit 38 Jahren Ehemann von Simone Erni, verrät am Telefon: «Alleine der Wert der rund 13 000 zurückgelassenen gelagerten Werke ist immens – im Schnitt kann man pro Bild mit 22 000 Franken rechnen, denn es gibt ja ganz grosse teurere und dann wieder viele kleinere Werke. Zudem hatte mein Schwiegervater ein enormes Vermögen auf der Bank und rund 20 Immobilien an bester Lage in der Stadt Luzern», sagt der erfahrene Kunstexperte und Familien-Insider. Man gehe nun von rund 100 Millionen Franken Privatvermögen aus. Dazu komme der Wert der mehr als 380 Werke im Museum im Verkehrshaus Luzern, die der Hans-Erni-Stiftung gehören, und auch der Bargeldwert der Stiftung, der gemäss Raphael Fornara-Erni noch einmal auf 60 Millionen Franken beziffert wird.

Erst jetzt wird deutlich: Der gelernte Bauzeichner Hans Erni, einst in der Schweiz 20 Jahre lang zur Persona non grata erklärt, fichiert und als Kommunist beschimpft, gehörte bis zu seinem Tod vor wenigen Monaten zu den weltweit reichsten noch lebenden Kunstmalern. Doch von den vielen hinterlassenen Millionen sollten seine Tochter und sein Schwiegersohn eigentlich keinen Rappen bekommen. Denn gemäss dem Luzerner Teilungsamt ging mit einer Verzichtserklärung aus dem Jahre 1979 eine Abmachung einher, dass Hans Erni dem Ehepaar Bargeld schenkt (es waren damals 250 000 Franken), die Tochter Simone Erni danach aber nichts mehr erben würde. Diese Zuwendung erfolgte, weil Simone Erni und Raphael Fornara-Erni schon damals hohe Schulden aufgrund eines Immobiliengeschäfts plagten.

Die «Schweiz am Sonntag» erreichte die Witwe von Hans Erni diese Woche telefonisch. Sie kann das Theater um das Erbe überhaupt nicht verstehen und lässt sich durch ein Ultimatum nicht unter Druck setzen: «Wir haben uns schon länger von den beiden distanziert und sie ausbezahlt», sagt Doris Erni, die gemäss eigenen Angaben ihrem verstorbenen Gatten sehr nachtrauert. «Ich sehe den Forderungen gelassen entgegen. Für mich ist das erledigt, es gibt kein weiteres Geld von uns.» Auf das Privatvermögen von geschätzten rund 100 Millionen Franken und das Vermögen der Stiftung angesprochen, will sich Doris Erni nicht äussern.

Gemäss unabhängiger Einschätzung von Rechtsanwalt Apollo Dauag kann Doris Erni das Ganze gelassen angehen: «Wenn vereinbart wurde, dass die Tochter nichts mehr erben würde, und sie dafür 250 000 Franken erhalten hat, stehen die Chancen, dass ein Gericht einen Anspruch auf den Pflichtteil trotzdem zuspricht, schlecht», erklärt Dauag. «Allein die Bezeichnung als Verzichtserklärung spricht dafür, dass die Tochter nach der Unterzeichnung als Erbin nicht mehr in Betracht fällt.» Raphael Fornara-Erni sieht das anders: «Wir lassen uns auf keinen Fall billig abspeisen, dann gehen wir lieber in einen jahrelangen Rechtsstreit.»

Sie wollen sich «auf keinen Fall billig abspeisen lassen».