VON SACHA ERCOLANI

Noch nie in der Geschichte der Monarchie ist eine amtierende Fürstin im Bob mit einem Tempo von bis zu 135 km/h durch einen Eiskanal gerauscht – doch das könnte sich schon sehr bald ändern: dank dem legendären Aargauer Bobpiloten Christian Reich (42). «Egal, ob ich an der Hochzeit eingeladen bin oder nicht, sehr gerne schenke ich Albert und seiner Charlene zu ihrer Trauung eine Bob-Taxi-Fahrt mit mir in St. Moritz», so der Olympiasilber-Gewinner im Zweierbob in Salt Lake City 2002 zum «Sonntag». «Dieses Geschenk würde die Fürstin bestimmt ihr ganzes Leben lang nicht vergessen!»

Die lang ersehnte Märchenhochzeit findet kommenden Sommer in Monaco statt: Dann führt der frisch verlobte Fürst Albert II. seine Charlene Wittstock (32) zum Traualtar – in der Kathedrale von Monaco, wo 1956 auch Alberts bereits verstorbene Eltern Gracia Patricia und Fürst Rainier III Ja sagten. Und es ist gut möglich, dass einige Schweizer beim Mega-Ereignis dabei sein werden: Neben Reich sind auch Multimillionär Hausi Leutenegger (70) und Uhrenkönig Yves Piaget (67) Freunde des Fürsten. «Wir treffen uns noch immer ein- bis zweimal im Jahr in St. Moritz zum Bobfahren», so Christian Reich.

Den ehemaligen Spitzenpiloten verbindet viel mit dem Blaublüter: Reich war Trainer von Fürst Alberts Monaco-Bobteam und die beiden sammelten auch schon gemeinsam Geld für Swiss Paralympic. «Albert ist ein toller Mensch. Immer korrekt und sehr professionell.» Reich reiste früher viel nach Monte Carlo, «um zu sehen, ob die Athleten das tun, was sie tun müssen» und um sich mit Albert zu besprechen.

«Die neue Tätigkeit füllt mich voll aus. Das Bobfahren ist für Albert eine Möglichkeit, der High-Society-Szene zu entfliehen. Da wird er wie ein normaler Mensch behandelt», sagte Christian Reich 2002, als er die Stelle annahm und mit dem Königshaus einen Vierjahresvertrag unterzeichnete.

Heute ist Christian Reich ein erfolgreicher Bobbauer. Er produziert mit seinem Team 4er-Schlitten und 2er-Schlitten für Teams aus der Schweiz, Monaco, England und vielen anderen Ländern. Zudem führt er Bob-Events inklusive Taxifahrten durch. Für einen guten Zweck sass Charlene Wittstock einmal kurz mit Albert für ein Foto in einem Hobby-Bob, was aber absolut kein Vergleich mit dem Geschenk von Reich wäre: Mit seinem Gäste-Bob legt er als Pilot die 1700 Meter lange Fahrt in nur circa 75 Sekunden zurück und erreicht im «Horse Shoe» einen Druck von bis 4,5 bar und vor dem «Martineau Corner» ein Höchsttempo bis 135 km/h.

Sportlich gesehen, wäre Reichs Geschenk an die zukünftige Frau seines ehemaligen Arbeitgebers leicht zu bewältigen. Die südafrikanische Schwimmerin mit deutschen Wurzeln ist noch immer topfit: Charlene Wittstock war Mitglied der 4×100 m-Lagenstaffel der Republik Südafrika bei den Olympia-Spielen 2000 in Sydney und erreichte den fünften Platz.

Ob sich Wittstock überwindet, den Olympia Bob Run von St. Moritz herunterzurasen, bleibt offen – doch die Idee kommt beim Palast in Monaco gut an: Das Paar freue sich über jedes Geschenk und das mit der Bobfahrt sei sehr originell, sagt Alberts Privat-Sekretärin Christine Sprile auf Anfrage vom «Sonntag».

Albert würde bei Reich aber bestimmt jederzeit einsteigen: «Ich hänge an diesem Sport», sagte der Fürst einst, der in St. Moritz vor 26 Jahren seine erste Taxi-Bobfahrt machte. «Seit dieser Taxifahrt wollte ich immer wieder in einen Bob steigen.»

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