VON REINHOLD HÖNLE, MAILAND

«Ich besitze nur ein Mobiltelefon, und das ist ausschliesslich dafür da, dass meine Tochter mich jederzeit anrufen kann. Ich bin kein Handy-Sklave!», antwortet Eros Ramazzotti auf die Frage, ob er nicht von der SMS-Manie befallen sei. Im Video zur Hitsingle «Parla con me» (Rede mit mir) hat er diesen Wahn in Strassenszenen aus einer amerikanischen Grossstadt kritisiert.

«Da die zahlreichen technologischen Neuerungen unserer Zeit viele Leute verführen, sich von der Realität abzukoppeln, ist meine Botschaft: Leg das Telefon beiseite, obwohl es für dich ein wichtiges Objekt geworden ist, und rede mit deinen Mitmenschen wieder persönlich.»

Bei Aurora, die seiner Ende März geschiedenen Ehe mit dem Berner TV-Star Michelle Hunziker (32) entstammt, ist dies nicht so einfach, denn die 12-Jährige lebt hauptsächlich bei ihrer Mutter. Immerhin ist es ihren Eltern gelungen, im Kampf ums Sorgerecht eine gütliche Einigung zu finden. «Jugendliche brauchen einen starken Halt in der Familie. Darum ist es wichtig, dass auch Paare, die sich nicht mehr verstehen, sich dem Kinde zuliebe wieder zusammenraufen», lautet das Credo Ramazzottis.

Der italienische Superstar ist so gesprächig ist wie nie in den letzten 25 Jahren. Darauf angesprochen, meint er: «Privat bin ich eher ruhig. Es gibt genügend Leute, die gerne reden. Ich suche mir lieber den richtigen Moment aus, um mich mitzuteilen. Am besten kann ich das aber, wenn ich singe – zumindest sagen das die Leute . . .»

Mit Aurora führt Eros immer öfter Gespräche, auch über seine Lieder. «Sie singt meine Lieder nicht mehr nur nach, sondern versteht auch deren Inhalt immer besser.» Ihren Favoriten auf «Ali e radici» habe sie ihm noch nicht verraten, doch auch ihr bisheriges Lieblingslied lässt ihre frühe Reife erahnen: «Non prometto niente». Ich verspreche nichts.

Die elf neuen Songs hat Ramazzotti zusammen mit Co-Produzent Claudio Guidetti komponiert und mit Adelio Cogliati getextet. Aufgenommen hat er sie in Los Angeles und in seinem eigenen Meda Studio hier in Mailand, in das er den «Sonntag» eingeladen hat. Die Atmosphäre ist familiär. Seine engsten Mitarbeiter sind auch seit vielen Jahren die gleichen und wirken, als ob es väterliche Freunde wären.

Der gebürtige Römer sagt von sich, er fühle sich mentalitätsmässig als Norditaliener und komme immer pünktlich. Doch in Mailand trifft er wie meistens verspätet ein. Das Grollen seines kraftstrotzenden Macho-Motorrads Yamaha

V-max hat ihn angekündigt. Mit dem mattschwarzen Integralhelm kann er sich auf der Strasse problemlos inkognito bewegen. «Viele Leute mögen es, erkannt zu werden. Ich brauche es nicht, dass man mir im Privatleben zujubelt», sagt der Sänger. «Ich gehe am Ende des Tages auch nicht als Star zu Bett, sondern ganz normal als Eros.»

Ramazzotti findet, der Spagat zwischen seinen beiden Existenzen sei ihm bislang recht gut gelungen. Das Thema beschäftigt ihn momentan speziell. Der Titel «Ali e radici» (Flügel und Wurzeln) ist davon inspiriert, dass er sich zwischen den zwei Herzen, die in seiner Brust schlagen, hin- und hergerissen fühlt.

«Einerseits geniesse ich es, das freie Leben eines Künstlers führen zu können», erklärt der 45-Jährige. «Anderseits ist auch der Wunsch da, mit einer Frau etwas Dauerhaftes aufzubauen.» Ob seine aktuelle Freundin die richtige dafür ist, bezweifelt er. Aber dies verrät er erst, als das Aufnahmegerät bereits abgestellt ist.