VON MARTIN MEIER UND DEBORA ZEIER (Text und Fotos)

Ein Morgen wie jeder andere im Weiler Unter Pfaffwil LU. Um 5.15 Uhr ist für Bauer Franz (62) Tagwacht. Die 16 Kühe müssen «gmälled» werden. Und wie immer murmelt Franz im Stall vor sich hin: «S chunnd scho guet.» Während schon die vierte Staffel der Doku-Soap «Bauer, ledig, sucht» über den Sender 3+ flimmert, geniesst Franz aus Staffel 3 noch immer Star-Dasein.

Umso mehr, als die Sendungen derzeit laufend wiederholt werden. Franz, der die Herzen der Zuschauer im Sturm eroberte. Er, der das Dessousgeschäft von Alma Wenzlinger (76) in Kaiserstuhl als Sexladen bezeichnete, der noch nie im Ausland war, noch nie eine Frau küsste, ausser auf die Hand, geschweige denn Sex hatte. Er lebte mit seiner Susi (63) im letzten Sommer eine TV-Liebesgeschichte, die man hätte erfinden sollen, wäre sie nicht wahr gewesen. «So, aufstehen», murmelt Franz zu seinen vierbeinigen Lieblingen Genua, Ulma, Lotti, Vanessa oder wie sie sonst alle heissen. «Anni ist meine beste Kuh im Stall», lacht Franz. «Die gibt im Tag vierzig Liter Milch – fast Schweizer Rekord.» Dafür gibt ihr Franz auch jeden Tag ihr «Guetzi» – spezielles Kraftfutter.

Es ist 7.30 Uhr, an einem Morgen wie jeder andere. Wie immer gibt es jetzt Frühstück. Frische Milch mit Nidlä, aufgetautes Brot, Butter, selbst gemachte Konfitüre. Auf der Ablage zwei Ahnenbilder: «Das ist meine Mutter.» Franz pflegte sie bis zu ihrem Tode. «Und das ist mein Cousin. Er war Metzger und erstickte vor fünf Jahren an einem Hacktätschli.»

Aber wo steckt die Hofdame Susi? «Sie hat sich vom Acker gemacht. Sie hatte Heimweh nach ihrem Zuhause», sagt Franz – schon ein wenig traurig. «Aber es chunnt scho guet. Es hät na gnueg Fraue umä.» Und was heisst das im Klartext, lieber Fernsehbauer? Franz grinst verschmitzt, hält einen leuchtend roten, liebevoll verzierten Bief in den Händen. «Nüd, das isch Privatsach.»

Die Stubenuhr schlägt zehn Uhr. «Jetzt kommen dann die Mohren», sagt Franz. Mutterschweine, teilweise dreihundert Kilogramm schwer. «Zehn bis fünfzehn Junge bringt eine Sau auf die Welt. Bis Anfang April sollen sie da sein. Und Franz hatte bis jetzt mit der Zucht immer Schwein. Es gab nie ernsthafte Komplikationen. «S chund immer guet.»

Aber wie kommt es mit den Frauen? Franz weicht aus: «Ich kann ja nirgendwo mehr hingehen, ohne dass ich erkannt werde und Autogramme geben muss.» Das Telefon nehme er manchmal gar nicht mehr ab. «Aber dann klingelt es wenig später einfach an der Hoftür.» Zum Glück sei er viel im Stall. Klar habe es auch potenzielle Anwärterinnen darunter. «Wie die rassige, langhaarige Blondine mit dem silbernen Cabriolet.»

Aber zurück zum roten Brief. Die geheimisvolle Verehrerin hat sogar eine Briefmarke mit Kuhmotiv aufgeklebt. Wer ist sie? Franz schweigt eisern.

Es ist Mittagszeit: Franz steht am Herd und schmeckt die Buchstabensuppe ab. Eine Bratwurst brutzelt auf dem mit Holz angefeuerten Herd. Dazu gibt es M-Budget-Mischsalat. Zum Dessert einen Schoggihasen. Aber Hand aufs Herz: Wer ist denn jetzt sein Häschen? «Den Kaffee nehmen wir im Restaurant», weicht Franz wieder aus. Der TV-Bauer zieht sich ein Hemd an. Eines von dreien? Franz grinst: «Ich ha dänk scho meh.» Im «Bahnhöfli» in Root wird der TV-Star schon beim Reinlaufen erkannt: «Das isch ja dä Franz», freut sich Kellnerin Bea (27). Und etwas verlegen sagt sie: Ihre Chefin habe immer eine Grossleinwand aufgestellt, wenn er im Fernsehen gekommen sei. «Viele sind zur TV-Show extra angereist.» Auch jetzt ist der Stammtisch schnell leer: Alle wollen Franz kennen lernen. «Einfach Wahnsinn, wie du Susi am Urner Kantonalen Schwingfest auf den Rücken gelegt hast», schwärmen die Gäste und fragen: «Wo ist sie?» Franz: «Nöd da.»

16.30 Uhr: Die Kühe muhen. Sie haben Hunger. Auf Bauer Franz warten jetzt noch drei Stunden Arbeit. Die Kühe müssen nochmals «gmälled» werden.

Die Stubenuhr schlägt halb acht Uhr. Mit einem knurrenden Magen kommt Franz aus dem Stall. Ein Tag wie jeder andere ist nach harten 14 Stunden vorbei. «Ist nur Gewohnheitssache.»

Knoblauch, Pfeffer, Paprika, selbst gebrannter Kirsch, Weisswein und Käse: Schon ist das urchige Fondue zubereitet. Ihm mache es nichts aus, es allein bei Kerzenlicht zu geniessen, verrät Franz. «Aber zu zweit giengs scho ringer.»

22 Uhr: Es klingelt an der Haustür. Die Nachbarsbauern, Heidi und Paul, möchten auf einen Schluck Wein vorbeischauen. «Zwanzig Minuten.» Die Chance für den Jasskönig. Franz verliert. «Revanche!» Aus zwanzig Minuten werden zwei Stunden.

Zwei Stunden, während deren rauskommt, dass die Nachbarn noch gar nichts wissen: vom geheimisvollen roten Brief. Franz grinst: Die Frau sei plötzlich vor der Tür gestanden. «Und ist bis nach Mitternacht geblieben. Nach diesem Abend habe sie ihm ebendiesen Brief geschrieben und versprochen, wiederzukommen. «Ich sag ihr dann schon, sie soll genügend Kleider mitnehmen.» Denn Funkstille herrscht zwischen den beiden nicht. «Natürlich telefonieren wir.»

Dann lüftet Franz das Geheimnis und zeigt Fotos der Unbekannten. Was für eine Frau! Sandra* (31) ist blond und blutjung. Er brauche eben eine junge Frau, meint Franz keck. «Wenn ich dann alt bin, kann sie den Hof weiterführen und die Direktzahlungen einstreichen.» Wie schrieb Sandra in ihrem Brief: «S chund scho guet.»

* Name der Redaktion bekannt

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