Sie sind ein grosser Fussball-Fan. Haben Sie den Match gegen Chelsea gesehen?
Baschi: Ich hatte ein Konzert bei Radio Basilisk, das am Donnerstag seinen 30. Geburtstag feierte. Konnte den Match zum Glück aber Backstage mitverfolgen. Ich bin stolz auf die Leistung des FCB. Was die Jungs geboten haben, ist sensationell.

Gehen Sie häufig an Matches?
So viel wie möglich. Ich bin halt viel verhindert, aber ich kenne einige Leute aus dem Club, bei denen kann ich auch kurzfristig mit einem SMS eine Karte bestellen.

Zu wem haben Sie Kontakt?
Zu den Basler Urgewächsen Marco Streller, den Degen-Zwillingen und Fabian Frei.

Wann kommt der nächste Fussball-Song von Baschi?
Ich bin schon seit längerem dran. Ich war ja schon immer ein FC-Basel-Fan. Habe Freude am Club und seinen Fans. Beim FC Basel werde ich wieder zum Kind. Deshalb bin ich an einem Song, den ich dem FC Basel widmen und schenken will. Aber wann er fertig sein wird, ist offen. Mein neues Album hat jetzt absolute Priorität.

Können Sie eine kleine Kostprobe des Refrains geben?
(Lacht.) Ich muss meine Stimme schonen.

Ach schade. Aber ich hätte noch eine andere Idee für einen Song. Der Titel ist «Zauberzwerg».
Xherdan Shaqiri … en geile Siech. Ich habe ihn schon zwei-, dreimal getroffen. Es ist unglaublich: Er spielt in diesem Alter beim bestorganisierten Club und verdient Millionen. Also, ich würde durchdrehen, doch Shaqiri bleibt auf dem Boden. Chapeau. Ein Song? Wieso nicht? Wenn er im Final der Champions League ein Tor schiesst, dann hätte er es sicher verdient.

Der Song würde ein Hit. In der Schweiz sowieso. Gleichzeitig würden Sie den Durchbruch in Deutschland doch noch schaffen. Das deutsche Album war ja ein ziemlicher Flop.
Ich bin auf die Fresse gefallen, aber mein Leben hat das überhaupt nicht tangiert.

Wieso hats nicht geklappt?
Ich habe das Album kürzlich wieder gehört. Ich erkenne mich darauf nicht. Unter dem Diktat der Deutschen musste ich singen und mich neu erfinden. Die Leute kannten mich nicht und ich sie nicht. Dazu ist im Ablauf so viel falsch gelaufen. Der Start mit der Single in Til Schweigers Film war vielversprechend. Doch das Album war gar noch nicht fertig. Und dann ist der Release immer wieder verschoben worden. Das geht so nicht.

Dann ist das Deutschland-Abenteuer abgeschlossen?
Ja, aber es motiviert mich, ein neues hochdeutsches Album aufzunehmen. So, wie ich mir das vorstelle. Das will ich unbedingt machen.

Sie hatten eine sehr intensive Periode von 2004 bis 2010, haben sechs Alben in sieben Jahren aufgenommen. Dann kam der «Break» …
(Unterbricht.) … von Break kann keine Rede sein. In den letzten neun Jahren habe ich noch nie länger als drei Wochen Ferien gemacht. Tatsächlich, einen Break bräuchte ich schon lange. Ich träume auch davon, wie Adrian Stern einfach mal für ein halbes Jahr nach Amerika abzuhauen, um Songs zu schreiben. Doch das hab ich nie gekriegt. Es ist immer etwas gelaufen.

Und doch waren Sie nicht mehr präsent. Wo waren Sie? Hatten Sie eine Schaffenskrise?
Nein, überhaupt nicht. Der Grund für die Absenz war unser Tonstudio «Rebelinc.» (siehe www.rebel-inc.com), das ich mit meinem Gitarristen und Co-Komponisten Philipp Merk in Basel an der Birrstrasse gebaut habe. Sieben Monate lang von 9 bis 9 haben wir an diesem Studio gearbeitet. Während dieser Zeit habe ich keinen einzigen Song komponiert.

Hat es nicht genug Schweizer Studios?
Doch, aber wir wollen uns damit ein zweites Standbein aufbauen und auch für andere Musiker und Bands schreiben und produzieren. Wir haben viel Geld in das 250 Quadratmeter grosse Studio investiert. Jetzt brauche ich wieder Kohle, ich bin nicht mehr so liquide (lacht).

Die Texte auf «Endstation.Glück.» sind sehr nachdenklich und philosophisch. Sind die Inhalte für Sie wichtiger geworden?
Die Texte sind mir wichtig, weil sie ehrlich und sehr persönlich sind. Zum ersten Mal konnte ich wirklich Erlebtes einfliessen lassen. Insofern sind die Texte sicher so authentisch wie noch nie. Die Trennung von Katy im März war für mich eine ausserordentliche Situation. Ich denke, man merkt auch, dass es mir nicht immer so gut gegangen ist. Deshalb ist «Endstation.Glück.» ein eher dunkles und melancholisches Album, aber mit einem Schimmer Hoffnung. Deshalb fehlen diesmal Sauglattismus, Selbstironie und Party-Kracher. Die wären deplatziert gewesen.

Wie müssen wir den Titel «Endstation.Glück.» interpretieren?
Es ist mir bewusst, dass viele «Endstation.Glück.» auf die Trennung von Katy beziehen. Das war für mich auch ein sehr grosser Einschnitt in meinem Leben. Das Ende ist zwar traurig, aber ein Ende markiert auch einen Neuanfang, der befreiend wirken kann.

Was bedeutet Ihnen Glück?
Ich bin eigentlich bescheiden. Gute Menschen um mich herum, ein Job, der mir Freude macht. Aber auch schon ein sonniger Tag, ein guter Song im Radio kann mich glücklich machen. Wenn ich auf die letzten neun Jahre zurückblicke, bin ich schon sehr vom Schicksal verwöhnt worden. Ich musste nie kämpfen, alles flog mir zu. Die Trennung hinterlässt jetzt aber schon ihre Spuren.

Inwiefern?
Die Trennung von Katy verändert mein Leben. Eigene Wohnung, neue Stadt, niemand da, ich muss mich selbst um alles kümmern. Keine Ahnung, wie ich die neue Lebenssituation meistere. Aber irgendwie wird es weitergehen.

Was waren die Gründe für die Trennung?
Auch das ist neu für mich. Wie soll ich das in der Öffentlichkeit, gegenüber Journalisten kommunizieren? Das ist hier grad eine gute Übung. Sie müssen sich vorstellen: Ich war 17, als ich Katy kennen lernte. Sie war meine erste grosse Liebe und wir hatten eine tolle Zeit. Neun Jahre lang. Viele haben uns bewundert und es nicht für möglich gehalten, dass wir so lange zusammenbleiben. Insofern ist unsere Trennung etwas ganz Normales. Nach neun Jahren ist für uns einfach der Moment für den «Break» gekommen. Aber wir haben es immer noch gut miteinander. Wir sehen uns viel, telefonieren auch.

Wie wichtig ist Ihnen Treue?
Treue und Vertrauen ist zentral. Wir haben das beide mitgebracht, sonst wäre es nicht gegangen. Untreue hat auch nicht zur Trennung geführt. Es war der Alltag. Ich war ständig im Studio, sie immer im Geschäft. Es tönt abgedroschen, ich weiss, aber nach so vielen Jahren haben wir uns einfach etwas auseinandergelebt.

Gehört eine Partnerschaft für Sie zum Glück?
Fragen Sie mich das in einem halben Jahr wieder. Ich weiss nicht, wohin meine Reise führt. Ich bin jetzt glücklich, wenn mein neues Album gut ankommt, wenn ich weiter Musik machen und mein leeres Konto wieder füllen kann. Ich bin glücklich, wenn ich mein neues Leben auf die Reihe kriege und früher oder später wieder eine Partnerin habe. Die Gründung einer Familie ist kein Thema und nicht Voraussetzung für mein Glück.

Wo wohnen Sie heute?
In einer coolen kleinen Dachwohnung in Basel. Mit dem Velo zehn Minuten vom Studio entfernt. Perfekt für meine jetzige Situation.

Dann sind Sie nach neun Jahren in Aarau und Frick dem Aargau untreu geworden?
Meine Mutter wohnt ja noch im Aargau, in Oeschgen. Somit gehe ich dem Kanton nicht ganz verloren. Aber es war mir im Aargau immer wohl, ich habe mich heimisch gefühlt. Ich bin dort daheim, wo mich die Leute gern haben.

Sie waren der Schnuderi, Schnösel und Rotzlöffel der Nation. Ist das jetzt vorbei?
Ach was! Ich kann Sie beruhigen. Ich trete nach wie vor regelmässig in Fettnäpfchen. Wenn ich Party machen will, dann lass ichs krachen. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Aber bisher waren Sie mit Songs auch immer gut für eine kleine Provokation. Diesmal finde ich nichts.
Das sehe ich anders. Ich denke, viele wird es stressen, dass ich auf zwei Songs jetzt auch rappe.

Wollen Sie denn die Hip-Hop-Szene gewinnen?
Mir hat Hip-Hop schon immer gefallen und ich mache es auch gern. Momentan ist mein Favorit der deutsche Rapper Casper. Ich würde das, was ich mache sowieso eher als Sprechgesang bezeichnen. Die Reaktionen darauf waren aber sehr unterschiedlich. Ich bin gespannt, wie es bei meinen Fans ankommt.

Im Duett «Chalti Brise – Erklär mir Liebi» mit dem Rapper Kutti MC erweisen Sie dem Hip-Hop eine weitere Reverenz. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?
Es war eine super Erfahrung. Wir haben wunderbar harmoniert. Wir verstehen uns sehr gut, vielleicht gerade, weil wir so gegensätzlich sind. Ich bewundere seine lyrischen Texte, und für mich ist es wie ein Ritterschlag, dass er mitgemacht und sogar Ideen von mir übernommen hat.

Ist es ein Schwulensong?
Ha, (laut) Sie sind schon der Zweite, der das fragt. Nein, das war eigentlich nicht die Idee. Es ist eine Liebesballade, die wir zwei Männer interpretieren. Aber ich finde das spannend, ich habe ja überhaupt nichts gegen Schwule. Aber dass das klar ist: Der Song ist kein Outing. Ich bin nicht schwul ... da bin ich weit davon entfernt … aber sag niemals nie. Wer weiss.

Sie wurden vom Schweizer Fernsehen immer gefördert. Ist etwas im Köcher?
Nein, aber es würde mich freuen, wieder mal etwas mit den Leuten vom Schweizer Fernsehen zu machen (lacht).

Vielleicht beim Eurovision Song Contest?
Es würde mich reizen, einen massgeschneiderten Song für eine Sängerin oder einen Sänger zu schreiben und zu produzieren. Wir haben ja jetzt ein Studio. Ich würde aber auch selber gern auftreten. Bis jetzt hat es einfach terminlich nie geklappt. 500 Millionen Zuschauer – die Plattform ist ja einfach riesig. Da müsste doch mit einem guten Song etwas herauszuholen sein.

Wie schätzen Sie die Erfolgschancen unserer Heilsarmee-Band ein?
Naja, eine typische Hitmill-Idee. Eigentlich ist es ein Werbesong für die Heilsarmee und die gibts ja auf der ganzen Welt. Mich berührt der Song nicht.

Was berührt Sie momentan?
Mumford & Sons sind einfach grossartig. Ich liebe diese euphorischen Melodien, diesen emotionalen Überschwang in diesem schlichten musikalischen Kostüm. So etwas wird mein neues Projekt: alles akustisch – Gitarren, Kontrabass, Schlagzeug und Gesang. Nicht unter meinem Namen, aber mit meiner Stimme. Das würde in der Schweiz sicher funktionieren.

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