SRF-Journalisten «vermeiden politische Äusserungen in der Öffentlichkeit, auch in Weblogs, sozialen Netzwerken etc.», heisst es in den publizistischen Leitlinien des Schweizer Fernsehens. Dennoch fällt der ehemalige US-Korrespondent des SRF und heutige «10vor10»-Moderator Arthur Honegger (37) durch Tweets auf, die den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump (70) kritisieren. «Trump demontiert sich selbst; und kann doch nicht aus seiner Haut», schreibt der TV-Profi. «Was viele in der Schweiz nicht checken: Trump-Kritik hat nix mit links und rechts zu tun. Mehr mit Facts, Anstand und Grundwerten.» Honegger sagt dazu gegenüber «Schweiz am Sonntag»: «Die USA waren jahrelang meine Heimat, die US-Politik ist mein Fachgebiet. Klar diskutiere ich da mit, wenn ein Kandidat wie Trump grundlegende Werte des Landes infrage stellt.»

«Dies ist äusserst unprofessionell»
Das gefällt nicht allen. Ein ehemaliger «NZZ»-Autor moniert auf Twitter, «als 10vor10 Moderator sollten Sie, Herr Honegger, Distanz zu allen wahren, nicht einseitig Position beziehen.» Und der Zürcher SVP-Nationalrat Claudio Zanetti sagt: «Aus seinen Tweets ist deutlich sein Hass auf Trump zu erkennen. Dies ist äusserst unprofessionell, da Honegger unabhängige Einschätzungen und Beiträge liefern sollte.» In den SRF-Leitlinien heisst es denn auch: «Unabhängig ist unser Programmangebot, wenn die Redaktionen keine Ideologie, keine Partei oder sonstige Interessengruppe bevorzugen.»

Beim SRF hat man kein Problem mit den Tweets. «Arthur Honegger hat über sieben Jahre lang in den USA gelebt, die Politik dort intensiv verfolgt und Bücher zum Thema USA verfasst. Sein Twitter-Account spiegelt seine Erfahrung und seine Kompetenz wieder», sagt Christian Dütschler, Redaktionsleiter «10vor10». «Dass er sich auch zu einem so viel diskutierten Phänomen wie Donald Trump äussert, ist deshalb legitim. Seine Tweets beinhalten auch kritische Beobachtungen des US-Wahlkampfes.» Als Moderator bringe er am Bildschirm seine persönliche Meinung ja nicht zum Ausdruck. «Und das zählt.»