Viele Bürger werden ihm zustimmen. Die SVP ist daran, Unterschriften zu sammeln für eine Initiative, welche die Volkswahl einführen will. Die Bundesversammlung hat am 22. September die Chance, dieser Initiative den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dann, wenn sie auf Spielchen verzichtet, wie sie in der Vergangenheit immer wieder getrieben wurden.

Zuletzt vor zwei Jahren, als Mitte-links-Politiker in der Nacht vor der Wahl SVP-Nationalrat Hansjörg Walter zum Geheimkandidaten gegen den offiziellen Bewerber Ueli Maurer aufbauten – und beinahe reüssierten. Solche Hinterzimmeraktionen haben die Bürger satt.

Vieles deutet darauf hin, dass die Parteien sich dessen bewusst sind. Jedenfalls haben sie ihre Nominationsverfahren bemerkenswert seriös und professionell durchgeführt. SP und FDP steigen mit ihren besten Pferden ins Rennen: Jacqueline Fehr und Simonetta Sommaruga einerseits, Karin Keller-Sutter und Johann Schneider-Ammann andererseits verfügen über Bundesratsformat. Auch die SVP demonstriert Ernsthaftigkeit, indem sie den gemässigten Freiburger KMU-Unternehmer Jean-François Rime nominiert.

Für einmal haben die Parteien ein Lob verdient. Im Bericht der Geschäftsprüfungskommission zur UBS-Krise hat das Parlament erschreckende Führungsmängel in der Regierung aufgedeckt: Jeder Bundesrat schaue nur für sich, die gemeinsame Verantwortung werde nicht wahrgenommen.

Nun scheinen die grossen Parteien gewillt, echte Führungspersönlichkeiten in den Bundesrat zu schicken. Die Vorstellung ist wohltuend, dass wir auf dem nächsten Bundesratsfoto anstelle der ermatteten Herren Leuenberger und Merz zwei frische Persönlichkeiten sehen werden.

Doch gewählt wird erst am 22. September. Bleiben taktische Spielchen und intrigantes Lobbying bis zuletzt aus, ist das zwar für uns Medien ein bisschen langweilig. Für das Land und die Glaubwürdigkeit der Politik aber umso besser.