Falsch. Der Entscheid der Stimmbürger ist einschneidend, aber richtig! Damit wird die jahrelange übertriebene Bautätigkeit auf Kosten unserer Landschaft, auf Kosten unserer Lebensqualität und letztlich auf Kosten unserer Kinder gestoppt. Und das nicht nur bei uns in den Bergkantonen, sondern auch in den Städten und Agglomerationen.

Die Zweitwohnungsinitiative wurde uns Berglern auch nicht von den Unterländern aufgezwungen. Immerhin stimmten 43 Prozent der Bündner für die Initiative. Und selbst wenn «nur» die Unterländer Ja gestimmt hätten – woher kommen denn die Touristen, von denen wir in alpinen Tourismusdestinationen wie Arosa leben?

Der Abstimmungssonntag war so gesehen eine repräsentative Befragung von Gästen und Einheimischen. Mit einem klaren Resultat: Beide wollen keine Wohnhäuser in den Bergdörfern, die zehn Monate im Jahr mit geschlossenen Fensterläden leer stehen – während einheimische Familien verzweifelt nach einer bezahlbaren Wohnung suchen. Das hätte man vor der Abstimmung durchaus wissen können.

Vor dem Abstimmungssonntag zeigten Baulobby und Immobilienspekulanten aber, dass sie ihrer Sache (zu) sicher sind. Sie haben sich «zu lange darauf verlassen, dass eine solche radikale Initiative mit gravierenden wirtschaftlichen Folgen verworfen würde», stellte der ehemalige Bündner Regierungspräsident und heutige Ständerat Stefan Engler fest. Nachdem nun die Stimmbürger gezeigt haben, dass unsere Bergdörfer nicht (mehr) der Baulobby und den Immobilienspekulanten gehören, stimmen diese das Wehklagen an.

Sicher, die grossen Baufirmen werden einige Jahre mit kleineren Gewinnen rechnen müssen. Ihre Besitzer werden es aber überleben – und es trifft zumindest in Arosa keine Bergler, denn die grössten Baufirmen gehören Unterländern. Zudem steht in Arosa ein Bauvolumen von zwei Milliarden Franken, das grösstenteils in den 1950er- und 1960er-Jahren gebaut wurde – die Sanierungsbedürfnisse sind kaum zu übersehen. Von den Grossprojekten, welche Gemeinde und Kanton in den nächsten Jahren vergeben, gar nicht zu reden.

Und die kleinen Handwerker werden sogar profitieren können. Denn die Bausubstanz vieler Zweitwohnungen ist in einem pitoyablen Zustand. Immobilienfachleute in Arosa schätzen, dass sich ein Drittel der Zweitwohnungsbesitzer die meist geerbte Ferienwohnung mit rund 800 Franken laufenden Kosten pro Monat eigentlich gar nicht leisten kann. Mit der angenommenen Zweitwohnungsinitiative ist ihr Erbstück über Nacht bis 20 Prozent mehr wert. Der richtige Zeitpunkt für einen Verkauf also.

Wie so oft in über 100 Jahren Tourismus werden die Aroser auch in dieser Situation beweisen, dass sie mit intelligenten Lösungen gestärkt aus einer Krise hervorgehen. Die lokalen Handwerker können kleine «Generalunternehmen» bilden, welche den neuen Besitzern die Wohnungsrenovation von A bis Z organisieren. Die Gemeinde wieder kann wohlhabende Zweitwohnungsbesitzer und Selbstständige aus der Kreativwirtschaft dazu motivieren, ihren Lebensmittelpunkt nach Arosa zu verlegen. Statt im «Starbucks» am Limmatquai kann man Computerprogramme auch in der Konditorei Simmen am Aroser Obersee programmieren, das Snowboard steht vor der Tür bereit – ist doch viel cooler!

In wenigen Tagen ist die Wintersaison zu Ende, die letzten Gäste fahren nach Hause. Zurück bleiben einmal mehr unzählige Wohnhäuser mit geschlossenen Fensterläden – und die Erkenntnis, dass die angenommene Zweitwohnungsinitiative für den Tourismus, für unsere Lebensqualität und für unsere Kinder ein Lichtblick ist! Statt zu jammern, sollten wir nach vorne schauen und die Aufgaben anpacken, die uns die Stimmbürger gegeben haben.

Die Nachricht: Am 11. März hat das Schweizer Stimmvolk die Zweitwohnungsinitiative mit 50,6 Prozent angenommen. Insbesondere in den Ferienkantonen sorgt das Ja für lange Gesichter, die Initiative werde der wirtschaftlichen Entwicklung schaden, wird vielerorts befürchtet. Doch den künftig nicht gebauten Ferienwohnungen trauern nicht alle nach.

Die externen Kolumnisten und Kommentatoren des «Sonntags» äussern in ihren Beiträgen ihre persönliche Meinung.

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