In den 90ern kamen Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien. Die «Jugos» waren lange schlecht angesehen, doch wir erleben gerade, wie sich das ändert – wenn sie gut Fussball spielen, sind sie bereits hochgradig populär.

Und jetzt also die Deutschen! Gegen sie zu pöbeln, ist auch in akademischen und linksliberalen Kreisen salonfähig – anders als damals bei den Italienern und Jugoslawen. Schliesslich sind die Deutschen stark. Die meisten, die kommen, verdienen gutes Geld. Haben Kaderjobs. Gehen in die Oper. Sind uns sprachlich überlegen.

Einzelne Ausländergruppen zum «Problem» zu erklären, ist immer unfair und falsch. In den 60ern, in den 90ern und auch heute. Das Problem sind nicht die Menschen, die kommen. Das Problem ist die Unfähigkeit von Politik und Wirtschaft, die Zuwanderung in vernünftige Bahnen zu lenken. Der Bundesrat hat die erste Gelegenheit für die Ventilklausel fahrlässig verpasst. Und von der Landwirtschaft bis zu den Universitäten wird heute die Personenfreizügigkeit in teilweise verantwortungsloser Art genutzt: Billigst-Erdbeerpflücker aus Polen werden rekrutiert und deutsche Professoren ohne Not den Schweizern vorgezogen.

Machen wir uns nichts vor: Es kann nicht lange gut gehen, wenn die Einwanderung in diesem Ausmass weitergeht. Es würde in keinem Land gut gehen! Seit 2002 wuchs die Schweiz um sagenhafte 700 000 Einwohner (+9,6 Prozent). In Österreich waren es 4,2 Prozent, in Frankreich 5,9 Prozent, in Italien 6,5 Prozent. Deutschland schrumpfte.

Die Schweiz ist dicht besiedelt. Es bleibt keine andere Wahl, als die Zuwanderung zu drosseln. Statt über einzelne Volksgruppen herzuziehen, sollten unsere Politiker besser Lösungen erarbeiten, wie wir das Wachstum steuern können – ohne das Verhältnis zur EU zu riskieren. Keiner soll sagen, das sei unmöglich. Die Wachstumszahlen sprechen eine so klare Sprache, dass man der EU beibringen kann: Langfristig ist das nicht tragbar. Bundesrat und Parlament müssen in der EU einen Aufklärungs-Effort leisten – und das Thema zur Top-Priorität machen.

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