Der Kommentar: Die Weltgeschichte, so meint man, müsste sich immer weiterentwickeln auf einem Strahl, der bei den Höhlenbewohnern begann und irgendwo in den Zeiten des Raumschiffs Enterprise unser Gesichtsfeld verlässt. Doch diese Vorstellung erhält einen gewaltigen Dämpfer, wenn wir auf ein paar Ereignisse der letzten Zeit zurückblicken.

Im Nahen Osten agiert man in der Philosophie der Siebzigerjahre. In Syrien und Ägypten bahnen sich Bürgerkriege an (oder sind schon im Gange), die an den Libanon von einst erinnern. Den Russen ist es gelungen, die Ukraine aus den Armen der Europäer zu treiben; Putin schickt sich an, eine neue Sowjetunion mit kapitalistischem Gesicht zu bauen. Somit könnten wir uns bald in einem zweiten Kalten Krieg wiederfinden. Die UNO-Klimakonferenz in Polen wurde mit einem Plädoyer des Gastgebers für die Kohle eröffnet, mittlerweile ist klar, dass Japan und Australien den Klimaschutz praktisch aufgeben. Und, um in die kleine Schweiz zu kommen: Rechtsbürgerliche wollen mit der EU nur noch ein Freihandelsabkommen haben, so, wie es 1972 war.

Angesichts dieser Sachlage wundert es nicht, wenn ganz Amerika heute Abraham Lincoln und den Kennedys nachtrauert. Der gegenwärtige Präsident profiliert sich nur noch, indem er nachdenklich am Grab seines Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Vorgängers steht und dessen grandiose Taten beschwört. Auch im Kulturellen ist das Vergangene Kult: Wer etwas auf sich gibt, entwickelt Produkte im Retrodesign, und bisher in Brockenhäusern vermodernde Möbel werden neuerdings zu Höchstpreisen als Kultobjekte verhökert. Die Welt sehnt sich nach der Beschaulichkeit der unmittelbaren Nachkriegsjahre. Bis zu den Höhlenbewohnern haben wir noch einen langen Weg vor uns.

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