This Jenny sprach in den Medien mit berührender Offenheit über die Krebsdiagnose, die ihn im Frühling ereilte, und machte damit vielen Menschen Mut, die ebenfalls unheilbar krank sind. Unvergessen ist ein Talk auf Tele Züri, wo er detailreich schilderte, wie sich die Krankheit bei ihm auswirkt, wie viel Zeit ihm die Ärzte noch geben und dass er kämpfen werde: «Das Leben ist mir noch nicht verleidet.» Jenny strahlte eine Urkraft aus und lachte zwischendurch herzhaft. Ich sah ihn zuletzt am 20-Jahre-Fest von Tele Züri Anfang Oktober, er hatte stark abgenommen, feierte aber fröhlich mit und erzählte, dass er viel wandere und in der freien Natur sei. Die Krebsbehandlung habe gut angeschlagen, und Anfang des neuen Jahres müsse er im Spital nochmals in die «Röhre».

Mut und Freimut zeichneten This Jenny auch als Politiker aus. Er scheute sich nicht, sich mit seiner eigenen Partei, der SVP, anzulegen. So unterstützte er – aufgrund eines Erlebnisses als Kind – die Waffenschutzinitiative, die verlangte, dass die Armeewaffe nicht mehr zu Hause aufbewahrt werden dürfe. In Ausländerfragen positionierte er sich ebenfalls eigenständig: Jenny lernte Maurer, bildete sich später zum Bauführer weiter und arbeitete sich schliesslich zum Unternehmer mit 240 Mitarbeitern hoch – sein ganzes Berufsleben lang hatte er mit Ausländern zu tun.

Jenny hatte ein Herz für die Schwachen. Er stammte selber aus einfachsten Verhältnissen, wuchs in einem schwierigen Elternhaus auf einem kleinen Bauernhof auf. Er erzählte einmal, als Bub sei er verwahrlost gewesen, derart, dass heutzutage die Behörden einschreiten würden. Täglich musste er im Stall schuften. Er lief als Primarschüler in löchrigen Kleidern von der Winterhilfe herum und schämte sich dafür. Der «Hölle», wie er es nannte, entkam er erst mit zwölf Jahren, als er zur Grossmutter zog. Erstmals hat sich dann jemand um ihn gekümmert.

Die Entbehrungen der Kindheit haben This Jenny nicht gebrochen, sondern stark gemacht. Sie trieben ihn an und ermöglichten erst seinen Aufstieg. Sein Ehrgeiz zeigte sich auch im Sport, bis zuletzt: Im vergangenen April, wenige Wochen nach der Krebsdiagnose, als er bereits Mühe mit Schlucken hatte, ging er beim Parlamentarier-Skirennen an den Start. Und siegte.

This Jenny war ein Charakterkopf, selbstdenkend, schalkhaft. Er war ehrlich zu sich selbst und freimütig zu den Medien, das zeigte sich auch bei ganz privaten Themen, etwa bei der Trennung von seiner Frau. In unserem Milizparlament, in dem zunehmend stromlinienförmige Berufspolitiker sitzen, bräuchte es mehr Persönlichkeiten vom Schlage eines This Jenny.

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