Der Kommentar: «Schockiert» sei sie, sagt die Genfer Staatsrätin Michèle Künzler. Schockiert über den Egoismus und das fehlende Fingerspitzengefühl Zürichs. Das riecht nach Déjà-vu. 1996 war es, als die damalige Swissair den Flughafen Genf über Nacht zum Zweitklass-Flughafen degradierte. Aus ökonomischen Gründen wurden die Langstreckenflüge aus Genf weitgehend gestrichen. Der Aufschrei in der Westschweiz war gross. «Die Zürcher Manager haben die Politiker in Bern und in Genf ganz klar vor ein Fait accompli stellen wollen», sagte der Genfer CVP-Regierungsrat Jean-Philippe Maître. Die Fluggesellschaft befand es nicht für nötig, den Bundesrat über ihre heiklen Pläne zu informieren.

16 Jahre später reibt sich Zürich die Augen. Der Arc lémanique, die Metropolregion Genf/Lausanne, ist zur Boomregion der Schweiz schlechthin geworden. 1,2 Millionen Einwohner zählt sie. Die Metropolregion Zürich kommt nur auf unwesentlich mehr: auf 1,66 Millionen. Es ist viel geschehen. Der Arc lémanique zog sich auf sich selbst zurück. In der Deutschschweiz weitgehend unbeachtet, erlebte er in den letzten zehn Jahren ein «beispielloses demografisches und wirtschaftliches Wachstum», wie es im Brief an Doris Leuthard heisst. Der Druck auf die Verkehrsinfrastrukturen sei «extrem».

900 Millionen kostet der Ausbau des Bahnhofs Genf. 6 Milliarden hat der Bund schweizweit in zwei Etappen vorgesehen. Zürich reklamiert die 900 Millionen für sich. Was Genf stinkt. Wieder tritt die Calvin-Stadt gegen Zürich an. Unter ganz neuen Vorzeichen diesmal. Genf/Lausanne sind keine Bittsteller für Brosamen mehr. Es geht um nichts weniger als um die wirtschaftliche Vormachtstellung in der Schweiz. Zwischen Genf/Lausanne. Oder Zürich.

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