Der Kommentar: Schon wieder Zürich! Kaum ist die neue Durchmesserlinie für 2 Milliarden Franken einigermassen fertig gebaut, werden schon die nächsten Visionen lanciert. Muss das sein?

So verlässlich der Anti-Zürich-Reflex auch beim öffentlichen Verkehr spielt, so unangebracht ist er in diesem Fall. In den neuen Bahninfrastruktur-Fonds des Bundes wird Zürich jedes Jahr 117 Millionen Franken einzahlen. Nicht nur darf der Kanton im Gegenzug Investitionen in seine Infrastruktur erwarten. Würden die Visionen eines Tunnelbahnhofs im Hochschulquartier oder einer Metro zwischen den Standorten Zentrum, Irchel und Hönggerberg realisiert, profitierte die ganze Schweiz.

An die ETH und die Uni – die grösste des Landes – strömen Studenten aus allen Landesteilen. Und das Unispital Zürich übernimmt medizinische Aufgaben für etliche Kantone der Deutschschweiz.

Nicht zuletzt ist ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs im Zürcher Wissens-Quartier ein Gebot der Notwendigkeit. Bereits heute sprechen die Behörden von «latent unbefriedigter Nachfrage» in Spitzenzeiten. Im Klartext: Es hat zu wenig Platz in den Trams. Und weil es immer mehr Studenten und Kranke gibt, wird sich daran so schnell nichts ändern. Die angedachten Lösungen wie Shuttle-Busse sind Tropfen auf den heissen Stein.

Der Zeitpunkt ist günstig. Für 6 Milliarden Franken wollen der Kanton und die Stadt Zürich in den nächsten 30 Jahren das Hochschulquartier umpflügen. Gebaut wird also sowieso. Und die Realisierung einer vergleichbar günstigen Vision obendrauf täte einem Innovationsstandort nichts als gut.

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