Der Kommentar: Wir Bündner – wobei der Schreibende eigentlich Basler ist – mögen es nicht, wenn sich Unterländer in unsere Belange einmischen. Sei es, dass uns Bambi-Schützer unsere heilige Kuh, die Jagd, madig machen wollen. Sei es, dass wir Olympische Spiele planen. Geld nehmen wir schon an. Aus dem Finanzausgleich, aus Infrastrukturfonds oder aus den Taschen der Zürcher Skifahrer. Dennoch zählt der Grundsatz, wer zahlt, befiehlt, hier oben nicht. Dafür wird gerne geklagt: Dass wir zu wenig Unterstützung aus Bundesbern erhalten und dass uns die Städte die Butter vom Brot nehmen.

Wir geloben Besserung. Wenn wir die Olympischen Spiele 2022 durchführen dürfen. Und wenn der Bund zahlt. Eine Milliarde oder gerne auch mehr. Und wenn wir schon dabei sind: Es gibt noch eine Menge Umfahrungen zu bauen … Doch all das setzen wir wegen einer andern Bündner Eigenart aufs Spiel: dem unbändigen Unabhängigkeitswillen. Wenn der Berner SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz die Bündner zu mehr olympischem Feuer aufruft, wenn Spindoctors aus dem Unterland hier oben ihre Fäden ziehen und wenn eine Armada von Ringier-Publikationen mit Promis sonder Zahl einmarschiert, um das (Geschäfts-)Feld zu arrondieren, dann kommt das nicht wirklich gut an. Fremdbegeistern lassen wir uns nicht.

Uns reicht ein Gian Gilli. Mehr Enthusiasmus verkraften wir nicht. Wenn es sich für uns rechnet, sagen wir möglicherweise Ja zur Geldmaschine Olympia. Allerdings nur, wenn alle Regionen und fast alle Menschen profitieren. Denn sonst schlägt der älteste Bündner zu: der Neid. Aber den kennen die privilegierten Unterländer natürlich nicht.

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