Der Kommentar: Ein grosses Stück Schweizer Fussballtradition stirbt. Oder besser: ist gestorben. Mit der Entscheidung, den Cupfinal nicht mehr in Bern steigen zu lassen, endete eine fast 100-jährige Tradition. Das geschichtsträchtige Wankdorf-Stadion – Schauplatz des Wunders von Bern – und das neu gebaute Stade de Suisse beherbergten den Final seit 1926 rund 70 Mal. Undenkbar ein deutscher Pokalfinal ausserhalb Berlins, undenkbar ein englischer Cupfinal fern des heiligen Wembley-Rasens.

Schuld an der Berner Misere sind randalierende Fans. Ein Entscheid gegen die Tradition, für die Sicherheit ist deshalb verständlich. Doch mit Basel hat der Schweizer Fussballverband eine Chance vertan. «Am Mute hängt der Erfolg», sagte bereits der Schriftsteller Theodor Fontane. Mut hätte gut getan. Basel ist durch die Erfolge und dank des Stadions längst Fussball-Hauptstadt der Schweiz. Knüller-Spiele gibt es dank Champions League genug. Städte aus anderen Landesteilen wie Genf oder das Tessin hätten Glanz und Chance eines Pokalfinals eher gebraucht. Ein gutes Stadion vorausgesetzt.

In einem Land, das nach Konkordanz strebt, in dem Gotthard-Debatten mit der Ausgrenzung des Tessins geführt werden und in dem Politiker vor dem Verfall der Landessprachen in unseren Schulen warnen, hätte der Sport eine Integrationsstütze sein können. Stattdessen weisen dieselben Politiker reflexartig jede Überschneidung von Sport und Politik von sich. Sport ist nicht Politik, aber Sport kann politische Probleme angehen. All die Mahner für einen stärkeren Schweizer Zusammenhalt zwischen den Landesteilen hätten etwas bewegen können. Basel ist eine einfache Entscheidung, eine bequeme – aber sicher keine mutige.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper