Der Kommentar: Der ganze Wahlkampf konzentrierte sich auf die Frage: Schafft der grüne Justizdirektor Martin Graf die Wiederwahl, oder wird er von Staatsanwältin Silvia Steiner (CVP) verdrängt? Sollte Graf als Bisheriger straucheln, dann, weil er in der «Carlos»-Geschichte eine schlechte Figur machte und der Fukushima-Effekt verpuffte, der ihm 2011 noch zur Wahl verhalf. Steiner hingegen wird von den grossen Parteien SVP und FDP mitgetragen. Sie wollen ihre einstige Regierungspartnerin zurück und lösten mit der CVP das 5er-Ticket. Dieses sollte Einigkeit demonstrieren, war aber mehr Zweckehe denn Liebesheirat. Das zeigte sich kürzlich, als FDP-Schwergewicht Ruedi Noser seinen Freund und SP-Regierungsrat Mario Fehr zur Wiederwahl empfahl. Prompt warf die SVP der FDP Treuebruch vor.

Klar scheint: Die drei wählerstärksten Parteien werden ihre Kandidaten ins Ziel bringen. Die Wiederwahl von Markus Kägi (SVP), Ernst Stocker (SVP), Thomas Heiniger (FDP) und Mario Fehr (SP) gilt als Formsache. Jacqueline Fehr (SP) und Carmen Walker Späh (FDP) werden ihre Vorgängerinnen wohl beerben. Und ob am Ende Graf oder Steiner gewählt wird – der Kanton Zürich ist und bleibt bürgerlich.

Von grösserer Tragweite werden die Kantonsratswahlen sein. Wie Politologe Peter Moser vorrechnete, ist das Zürcher Wahlergebnis ein ziemlich genauer Indikator dafür, was den Parteien bei den Nationalratswahlen vom Oktober blühen wird. Sollte etwa die BDP in Zürich an der Wahlhürde (5 Prozent Wähleranteil in einem Wahlbezirk) scheitern und aus dem Kantonsrat fliegen – ein realistisches Szenario –, könnte dies ein Hinweis auf ein Karriereende von BDP-Bundesrätin Widmer-Schlumpf sein. Das Ende der Zürcher wird somit zum Start der nationalen Wahlen.

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