Der Kommentar: Schweizweit beteiligten sich mehr als 23 000 Menschen an einer von Papst Franziskus angeregten Umfrage zur Ehe, zu Sexualität und zu Partnerschaft. Die grosse Beteiligung zeigt: Gläubige wollen sich Gehör verschaffen und der Kirche mitteilen, wo sie mit der Lehre unzufrieden sind. Dazu gehört beispielsweise, dass Partnerschaften von Schwulen und Lesben nicht anerkannt sind oder Wiederverheiratete die Sakramente nicht empfangen dürfen.

Im Bistum Chur nimmt man die Sorgen und Nöte der Gläubigen unterschiedlich wahr. Während in Zürich Vertreter der Seelsorge anerkennen, dass künftig in der Kirche Sexualethik und Morallehre überdacht werden müssen, schlägt das nahe Umfeld von Vitus Huonder einen anderen Kurs vor. Nicht die Kirche liege falsch, sondern die Gläubigen. Sein Rezept: Die Kirche solle missionarischer werden.

Das Verhalten von Vitus Huonder ist unverständlich. Und es wird immer deutlicher, dass das fortschrittliche Denken der Landeskirche in Zürich und die Rückwärtsgewandtheit der Churer Oberhirten nicht zusammenpassen. Deshalb ist es an der Zeit, ein Bistum Zürich anzustreben. Die Schaffung eines neuen Bistums könnte beiden Seiten dienen – die Zürcher könnten ihre Vorstellung von zeitgemässer Kirche verwirklichen, Bischof Vitus Huonder hätte seine Ruhe.

Zurzeit ist ein Projekt eines Bistums Zürich zur Prüfung bei Papst Franziskus. Mit der weltweiten Umfrage zeigt Franziskus, dass ihm offenbar einiges daran liegt, herauszufinden, was die Gläubigen denken. Vielleicht erkennt er die Sorgen und Nöte der Zürcher und erbarmt sich ihrer.

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