Der Kommentar: Über 80 Prozent der Ja-Stimmenden nahmen gemäss Auswertung der Vox-Analyse bewusst in Kauf, dass die Schweiz künftig auf die bilateralen Verträge verzichten muss. Und: Umweltschutzaspekte spielten bei der Abstimmung kaum eine Rolle. Der zweite Schluss erstaunt wenig. Umweltprobleme stehen im Sorgenbarometer weit hinten. Dies zeigt auch die Null-Reaktion auf den neuesten Klimabericht, der dramatischer nicht hätte ausfallen können.

Erstaunlicher hingegen ist die erste Erkenntnis: Die Schweizer wollen oder können die Bedeutung der Bilateralen nicht erkennen. Sie setzen sie aufs Spiel für eine starre Regelung der Zuwanderung. Der 9. Februar war also doch ein Tag der Abschottung und der unterschwelligen Fremdenfeindlichkeit. Das ganze weitere analytische Geschwurbel der letzten Wochen kann man vergessen.

Der Weg ist klar: Initiative konsequent umsetzen, Kontingente einführen, auf die Kündigung der Bilateralen durch Brüssel warten, basta. Der Rest ergibt sich von selbst. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sollen endlich die Konsequenzen ihres Handelns selber tragen. Bisher hat die Politik stets versucht, grössere Schäden aus Volksabstimmungen zu vermeiden, hat Kompromissformeln kreiert. Die Folgen wurden abgemildert – zum Dank wurde dann über Diplomaten, Bundesräte und die ganze Classe politique hergezogen, weil der Volkswille nicht 1:1 umgesetzt werde. Dieser Masochismus der offiziellen Schweiz muss aufhören.

Ab sofort gilt auch in staatspolitischer Sicht das Verursacherprinzip. Wer bestimmt, muss auch den Schaden tragen. Sonst kennen wir immer nur die gleichen Sieger, ob etwas klappt oder ob es nicht klappt. Tschüss, Europa, das wars.

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