Wir leben in ernsten Zeiten. Ernste Zeiten sind politische Zeiten. Der Schweiz geht es gut, doch wir spüren, dass unser Glück brüchig ist. Was passiert, wenn sich der Franken nochmals aufwertet? Wenn die bilateralen Verträge wegfallen würden? Wie trifft es uns, wenn der Krieg in der Ostukraine eskaliert? Wenn islamistische Terroristen Zentraleuropa ins Visier nehmen?

Ich fragte Didier Burkhalter kürzlich, warum er als Bundesrat an einem Wahlkampfanlass seiner FDP auftrete. Seine Antwort fiel pathetisch aus: «Für die Zukunft der Schweiz sind die nächsten zwei, drei Jahre sehr wichtig. Hier wird Wegweisendes entschieden werden – mit Folgen für die nächsten 20 bis 30 Jahre.» Interessanterweise begründet «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel seinen Eintritt in die Politik ebenso. Und dass sich neuerdings Wirtschaftsführer wie Sergio Ermotti (UBS) und nun auch Hans Künzle (Helvetia) politisch einbringen, dürfte ähnliche Gründe haben.

Köppels Kandidatur ist die konsequenteste Form der Repolitisierung des Journalismus, allerdings eine fragwürdige: Journalisten sollten unabhängig bleiben, sonst verspielen sie ihre Glaubwürdigkeit. Eine Rückkehr zur Parteipresse wünschen sich nur die Parteien, nicht die Bürger. Dass der Journalismus aber wieder politischer, relevanter, pointierter wird: Das ist die richtige Reaktion auf die Ernsthaftigkeit unserer Zeit.

Aufschlussreich ist der Befund unserer Umfrage unter Chefredaktoren, wonach die Schweizer Zeitungen, einst mehrheitlich linksliberal, bürgerlicher geworden sind. Auch das ein Zeichen der Zeit: Der Glaube an die Gestaltungskraft der Politik scheint heute rechts ausgeprägter zu sein als links.

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