Als wir uns dann nach diversen SMS vor dem St.-Jakob-Park treffen, ist schnell klar: Der 169 Zentimeter kleine Mann hat einiges zu sagen. Seine Familie wanderte von Kosovo ins Baselbiet ein, als er ein Baby war. Bis vor kurzem teilte er mit seinem Bruder ein Zimmer. Jetzt verdient er dank seinem Profi-Vertrag so viel Geld, dass er seiner Familie eine schöne Wohnung und einen Mercedes zahlen kann. In einfachen Worten erzählt er, was uns die staatlichen Integrationsexperten umsonst zu erklären versuchen:

Integration ist, wenn sich Xherdan wünscht, «von Gott eine Frau geschenkt zu bekommen, die ich liebe». Eine Frau, die in der Beziehung nicht weniger zu sagen haben soll als er, der Mann.
Integration ist, wenn Xherdan nicht nur Fussball spielt, sondern auch Ski fährt – «weil ich es im Skilager gelernt habe».

Integration ist, wenn Xherdan zu Hause das Nachtessen kocht. Weil er es im Hauswirtschaftsunterricht gelernt hat und im Schul-Kochbuch «Tiptopf» immer ein Rezept findet. Integration ist, wenn Xherdan sich schämt für Kosovaren in der Schweiz, die rasen oder dealen, und der Meinung ist, sie sollten so schnell wie möglich dorthin zurückgeschafft werden, wo sie herkommen.

Oft ist in der Öffentlichkeit von Balkan-Jugendlichen die Rede, die Probleme bereiten. Es ist schön, dass nun einer Schlagzeilen macht, der ein Glückskind ist – und schon eins war, bevor er in die Scheinwerfer der Öffentlichkeit trat: ein junger Mann, der ebenso stolz auf seinen Schweizer Pass ist wie auf seine kosovarischen Wurzeln.

Xherdan Shaqiri müsste auf Tournee gehen durch unsere Schulen – als Beispiel dafür, dass Integration eben doch funktionieren kann.