Der Kommentar: Die SBB müssten sparen, weil sonst der öffentliche Verkehr in der Schweiz unter die Räder komme. Buchstäblich. Als Bedrohung sieht Chef Andreas Meyer selbstfahrende Autos und steigende Billettpreise, die Bahnkunden zurück auf die Strasse treiben sollen. Beide Argumente entpuppen sich als wenig stichhaltig.

Selbstfahrende Autos sind heute noch keine Realität. Ob sie je zu einem Massenphänomen werden und ob sie die Mobilität tatsächlich umkrempeln und dadurch Züge überflüssig machen, wie von Meyer befürchtet, wissen wir frühestens in 10 bis 20 Jahren. Ausgemacht ist die automobile Revolution jedenfalls nicht. Nicht auszuschliessen ist, dass computergelenkte Karossen dereinst auf dem Schrotthaufen der Technikgeschichte landen. Jeder vernunftbegabte Mensch muss auch diese Möglichkeit in Betracht ziehen.

Ebenso unbegründet ist die Angst, dass die hohen Billettpreise die Passagiere in Massen hinters Steuerrad zurücktreiben. Eine stärkere Wirkung als die Preise haben die Staus: Wer fährt werktags schon mit dem Auto freiwillig von Zürich nach Bern für eine zweistündige Sitzung? Und dass die Autobahnen in absehbarer Zukunft ausgebaut und die täglichen Staus der Vergangenheit angehören – das ist etwa so wahrscheinlich wie ein EU-Beitritt der Schweiz.

Notorisch ist die Strassenfeindlichkeit auch in den Agglomerationen. Wo nur möglich, schränken Spurreduktionen und Fahrverbote den Verkehrsfluss ein. Selbst eingefleischte Petrolheads quetschen sich darum lieber in die S-Bahn als hinters Steuerrad. Andreas Meyer hat keinen Grund, sich vor dem Auto zu fürchten.

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