Franziskus ist ein Meister der Kommunikation. Aber gerade das muss auch skeptisch machen. Wie viel ist bloss Schall und Rauch, gut gemachtes Marketing? Vatikan-Kenner sehen bis jetzt keinen Bruch mit der Politik seiner Vorgänger. Franziskus spricht zwar anders – über Frauen, Homosexuelle, Andersgläubige –, aber inhaltlich ist eine grosse Kontinuität festzustellen. Oder eine gewisse Widersprüchlichkeit. Denn es ist ja nicht der Papst allein, der den Kurs der Kirche bestimmt.

Diese Widersprüchlichkeit zeigte sich Anfang Woche bei der Audienz der Schweizer Bischöfe im Vatikan. In seiner Ansprache gab sich der Papst betont verständnisvoll für die Anliegen der (im internationalen Vergleich) liberalen Kirche in der Schweiz. Doch im schriftlichen Redetext, der den Bischöfen abgegeben wurde, steht anderes: Da wendet sich der Papst gegen ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten – also gegen einen langjährigen Wunsch der katholischen Basis. Ebenso wird im schriftlichen Text der Unterschied zwischen Laientheologen und geweihten Priestern betont – eine Haltung, die vor allem der konservative Churer Bischof Vitus Huonder vertritt. Aus Kreisen der Bischofskonferenz verlautet, der Papst habe die schriftliche Fassung «seiner» Rede womöglich gar nie gesehen.

Dass in der katholischen Weltkirche ein neuer Papst jahrhundertealte Prinzipien nicht einfach so über Bord wirft, ist eigentlich klar. Es sind die kleinen Schritte und die Symbole, mit denen Franziskus die Kirche bereits verändert hat. Ins Bild passt, was er jetzt mit der Schweizergarde vorhat: Er will sie modernisieren, den militärischen Drill weghaben. Unsere Recherchen zeigen, dass der ultrakonservative Garde-Kommandant darum gehen musste, weil er sich diesen Reformen widersetzte. Das beweist: Dieser Papst ist nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch der Taten.

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