Dennoch wird man den Eindruck nicht los, dass etwas schiefläuft. Viele Schweizer Familien, die ein durchaus gutes Einkommen haben, können sich den Wunsch nach dem Eigenheim nicht mehr erfüllen. In meinem Bekanntenkreis ist das seit zwei, drei Jahren ein beliebtes Gesprächsthema: Man sucht und sucht – und findet nichts Bezahlbares. Eine Studie der Credit Suisse hat ergeben, dass sich nur noch eine Minderheit der Familien, nämlich 45 Prozent, in ihrer Region eine Durchschnittswohnung (110 Quadratmeter) leisten können. Vor acht Jahren waren es noch 60 Prozent.

Das ist ein Befund von grosser Tragweite. Denn mit seiner Familie ein eigenes Haus oder eine Wohnung zu haben – das ist für sehr viele junge Menschen ein Lebensziel. Ihre Eltern konnten es erreichen, sie selber nicht. Das führt zu Unzufriedenheit und Abstiegsängsten. Es sind auch solche Gefühle, die viele dazu bewogen haben, Ja zu stimmen zur Zweitwohnungs- und zur Masseneinwanderungsinitiative.

Der Hauskauf scheitert zurzeit nicht an den Hypozinsen – die sind historisch tief. Sondern am Eigenkapital, ohne das es keinen Kredit gibt. Paaren zwischen 30 und 40 Jahren fehlt es oft an den 200 000 oder 300 0000 Franken, die es schnell einmal braucht, weil die Eigentumspreise so stark gestiegen sind. Muss die Politik hier eingreifen, oder soll sie alles dem Markt überlassen?

Man könnte argumentieren: Die jungen Menschen müssen lernen, rechtzeitig zu sparen, und in Regionen ziehen, wo Eigentum noch erschwinglich ist. Das mag sein, doch so einfach kann sich die Politik nicht aus der Verantwortung stehlen. Ihre Aufgabe ist es, Bedingungen zu schaffen, damit möglichst viele Menschen ihre Lebensträume aus eigener Kraft verwirklichen können. Es darf nicht sein, dass dies im reichsten Land Europas nur noch einer Minderheit gelingt.

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