Der Kommentar: Der Technologie-Konzern ist erfolgsverwöhnt und ebenso deren Aktionäre. Wenn nun Apple zum ersten Mal seit 15 Jahren ein bisschen weniger verdient als im Vorjahr, so ist das an sich kein Grund zur Sorge. Apple hat im zu Ende gegangenen Geschäftsjahr noch immer 216 Milliarden Dollar umgesetzt. Zu denken geben sollte CEO Tim Cook aber etwas Anderes: der wieder erstarkte Erzrivale Microsoft.

Vergangenen Mittwoch stellte Microsoft den eigenen Desktop-Computer Surface Station vor. Der elegante 28-Zoll-Touchscreen lässt sich im Winkel verstellen und als Zeichenbrett nutzen. Eine Funktion, die sich Grafiker und Architekten wohl auch beim iMac wünschen würden. Bloss ein Tag später holte Apple zum Gegenschlag aus und präsentierte seine neuen MacBooks – ohne Touchscreens. Der erhoffte Paukenschlag blieb aus. Dass Microsoft – ein Unternehmen, das lange einzig auf Software gesetzt hat – nun Apple mit neuer Hardware übertrumpft, ist neu.

Doch nicht nur mit Hardware überzeugt Microsoft. Seit Satya Nadella an der Konzernspitze steht, hat sich der behäbige Software-Riese zu einem innovativen Unternehmen mit Visionen gewandelt. Die Zukunft sieht Nadella in der künstlichen Intelligenz (KI) und der Virtual Reality beziehungsweise der Augmented Reality – also der Verschmelzung von Realität und Virtualität mittels Cyberbrillen. Beide Trends könnten für eine neue Computerrevolution sorgen. Und in beiden Bereichen ist Apple der einzige grosse Tech-Konzern, der noch keine Strategie präsentiert hat. Das müsste den Apple-Fanboys und den Aktionären mehr Sorgen bereiten als der bescheidene Umsatzrückgang.

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