Der Kommentar: Wir erinnern uns nur allzu gerne. An die Bilder der Weltmeisterschaft 2006 bei unseren Nachbarn im Norden. Mehr als 40000 Schweizer Fans unterstützten Köbi Kuhn und seine Mannen im Dortmunder Westfalenstadion beim 2:0 gegen Togo lautstark vor Ort. Schweizer Fahnen, wohin das Auge reichte. Und in der Schweiz eroberten die Public-Viewings die Städte.

Nicht anders zwei Jahre später: Alles fieberte auf die Euro im eigenen Land hin. Kein Restaurant, das die Spiele nicht übertrug. Kein Auto, das mit der kleinen Fahne nicht Farbe bekannte. Überall fröhliche Kroaten, Spanier, Holländer und Italiener. Die Schweiz im kollektiven Festtaumel!

Dieses Jahr steht wieder eine WM bevor, und wieder ist die Schweiz dabei. Aber: Es gibt weniger Public-Viewings, weniger Fähnchen werden verkauft, und nach Südafrika reisen nur die wenigsten. Würde das Schweizer Fernsehen jeweils bei den Sportsendungen nicht den WM-Countdown rechts oben im Bild einblenden (in 40 Tagen gehts los!), man wüsste wohl erst kurz vor Anpfiff, dass Lionel Messi und Alex Frei über den Rasen hüpfen.

Weshalb kommt das WM-Feeling hierzulande nicht auf Touren? Gründe gibt es viele: Südafrika liegt nicht vor der Haustüre. Ein Flug nach Johannesburg kostet einiges mehr als eine Carfahrt nach Dortmund.

In der Schweiz befindet sich die Meisterschaft im Endspurt. Und in der Champions League steht der Final noch an.

Trotzdem: Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, da sei noch was anderes. Ich nenn es jetzt mal das Federer-Phänomen. Erinnern Sie sich noch an die Wahl zum Schweizer Sportler des Jahres 2005? Es gewann Töff-Weltmeister Tom Lüthi. Eine Wahl, die im Ausland für Verwunderung sorgte – schliesslich wurde Federer im gleichen Jahr zum Weltsportler des Jahres gekürt. Der Grund: Federer wurde hierzulande Opfer seines eigenen Erfolges – genauso wie jetzt die Hitzfeld-Truppe. Die Nati nimmt in Südafrika an der vierten Endrunde in Folge teil. Der Schweizer Fan ist gesättigt. Oder wie es ein Sporthändler sagt: «Die meisten haben inzwischen ein Nati-Trikot.»