Der Kommentar: Vor wenigen Jahren wäre der Chef einer Grossbank wohl ausgepfiffen worden, wenn er vor 1000 Vertretern der Klein- und Mittelbetriebe gesprochen hätte. Banken gegen KMU, Finanzplatz gegen Werkplatz – das war der Gegensatz. Am diesjährigen Swiss Economic Forum bekam man den Eindruck, dass die Wirtschaft wieder recht geeint ist. Vom Familienbetrieb bis zu den Grosskonzernen sorgt man sich vor allem um eines: um die Standortbedingungen, um die Bürokratie, um die Steuern- und Abgabenlast. UBS-Chef Sergio Ermotti traf einen Nerv, als er vorrechnete, wie viele tausend Seiten Gesetzestexte «Bern» Jahr für Jahr produziert und was die «überbordenden Vorschriften» die Unternehmen kosten. Die Konfliktlinien verlaufen nicht mehr zwischen Finanz- und Werkplatz, sondern wieder zwischen Wirtschaft und Politik.

Ermotti sagte, es habe den 15. Januar gebraucht (Aufhebung des Euro-Mindestkurses), um die Politik wachzurütteln und zu erkennen, dass sich die Schweiz in vielerlei Hinsicht in die falsche Richtung bewege. Dass Ermotti vom KMU-Publikum selbst dafür zustimmende Reaktionen bekam, war bemerkenswert, leiden doch viele Unternehmen unter den Folgen des 15. Januar.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga machte mit ihrem Auftritt am Forum die Konfliktlinie ihrerseits sichtbar, als sie die Kampagne gegen das Radio- und Fernsehgesetz als «gefährlich» brandmarkte. Hinter dieser Kampagne steht bekanntlich der Gewerbeverband. In Interlaken wurde klar: Der Ton wird nicht nur bei diesem Verband kämpferischer. Auch Topmanager wie Ermotti, die sich in den letzten Jahren kaum mehr in die Arena wagten, mischen sich wieder in die Politik ein. Das ist gut so.

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