Der Kommentar: Zum ersten Mal seit der Revolution hat ein ägyptisches Gericht Todesurteile verhängt. Recht gesprochen wurde über die Verantwortlichen für die schlimmste Fussball-Tragödie Ägyptens mit 72 Toten und nicht über Exponenten des gestürzten Mubarak-Regimes und ihre Verbrechen.

Aber in Ägypten steht zwei Jahre nach der Revolution und mitten in einem verfahrenen Transformationsprozess jedes Gerichtsurteil in einem politischen Kontext. Umso mehr, als auch in diesem Fall die Vermutung aufkam, alte Seilschaften hätten ihre Hände im Spiel gehabt.

Das Urteil folgt überdies dem Muster bisheriger Prozesse. Wieder hat sich der Richter gescheut, die angeklagten Sicherheitsoffiziere zu verurteilten. Ihr Urteil wurde auf März verschoben. Damit bleibt weiterhin im Dunklen, welche Rolle der Apparat des Innenministeriums gespielt hat, und auch über die Verantwortung der damals regierenden Generäle des Obersten Militärrates ist nichts gesagt.

Mit dem Tod bestraft sollen 21 Fussball-Fans werden, die sicher nicht die Drahtzieher waren. Der Richterspruch wirkt wie eine Beruhigungspille für die Ultras des gegnerischen Clubs, die gedroht hatten, das Recht selbst in die Hand zu nehmen.

Das Urteil ist mehr Rache als Gerechtigkeit und ist nicht dazu angetan, die erhitzten Gemüter im Land zu beruhigen, die vor allem eine juristische Aufarbeitung der Verbrechen der Mubarak-Getreuen verlangen. Es wird auch nicht dazu beitragen, das Vertrauen in die Justiz zu stärken, sondern bestätigt im Gegenteil ihr politisches Kalkül.

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