Filmreif war auch, was zwei Tage später in Zürich bekannt wurde. In die Bestechungsaffäre im Milieu sind auch Beamte der Zürcher Stadtpolizei involviert. Drei Polizisten sitzen nach wie vor in Haft. Sie sollen vor Verhaftungen gewarnt und über Vergehen hinweggesehen – und dafür Gratis-Sex erhalten haben.

Der Fall Zürich sei nur die Spitze des Eisbergs, war zu lesen. Gesetzesbrüche und Korruption scheinen in diesem Gewerbe zum Alltag zu gehören. Das ist die Wirklichkeit. Wenn namhafte Politiker von links bis rechts nun ein neues Gesetz fordern, das nichts weniger als die Prostitution verbieten soll, dann lässt sich eines mit Sicherheit sagen: Auch dieses Gesetz, gerade dieses Gesetz, würde tausendfach gebrochen werden und wäre nie durchsetzbar. Ist das ein Killer-Kriterium für ein Prostitutionsverbot?

Nicht unbedingt. Natürlich kann man die Prostitution nicht per Parlamentsbeschluss abschaffen. Ebenso wenig, wie sich Mord und Totschlag durch einen Strafrechtsartikel eliminieren lassen. Aber ächten kann man Verhaltensweisen mit Verboten, und allein das kann in einer Gesellschaft schon Wirkung zeigen. Das belegt das Beispiel Schweden: Seit dort das «Gesetz zum Verbot des Kaufs sexueller Dienste» in Kraft ist, ging der Menschenhandel zurück. Um diesen geht es letztlich, und nicht um den käuflichen Sex an sich. Das Gesetz führte in Schweden zu einem Mentalitätswandel: Es gilt nicht mehr als «normal», Frauen für Sex zu kaufen.

Ein absolutes Verbot bleibt in der liberalen Schweiz fragwürdig, es ist aber richtig, auch diese Massnahme zu prüfen. Denn die Prostitution und der Menschenhandel nehmen hierzulande zu, auch wegen der Personenfreizügigkeit mit der EU. Sie macht es Zuhältern einfacher, Osteuropäerinnen in die Schweiz zu holen. Darum muss sich die Politik der entscheidenden Frage annehmen und tabulos Antworten finden: Wie lassen sich die Frauen am besten schützen, wie kann den Menschenhändlern das Handwerk gelegt werden?

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