Wir stellen Fragen, Herr Blocher

Die Worte trafen ihn. «Unterste Schublade», so Christoph Blocher, sei der Gastbeitrag von Martin Wagner im letzten «Sonntag» gewesen. Was hat der ehemalige Verleger der «Basler Zeitung» und Verwaltungsratspräsident der SVP-nahen «Weltwoche» Schlimmes getan? Er kritisierte den Angriff der SVP auf die Personenfreizügigkeit. Er hinterfragte Blochers Führungsprinzipien. Und er schilderte, wie er eine «mittelalterliche Blocher-Schulung» erlebte. Dabei war Blocher für die «BaZ» als Berater von Wagner und Tito Tettamanti im Einsatz. «Nach dieser ‹Schulung› hatte ich jedenfalls kein funktionsfähiges Management mehr», schrieb Wagner. Er tat also, was Blocher oft noch viel schärfer tut: Die Dinge klar beim Namen nennen.

Wer gut im Austeilen ist, zeigt bisweilen Mühe beim Einstecken. Wir erinnern uns an Ueli Maurer – damals noch nicht Bundesrat –, als er aus dem Tele-24-Studio lief, weil ihn Roger Schawinski «Parteipräsident von Blochers Gnaden» nannte. Christoph Blocher ist hart im Nehmen, doch auch er zeigt plötzlich Nerven. Und vermutet eine Verschwörung, schliesslich sei der «Sonntag» ja CVP-nah, wie er in der «Arena» kolportierte. Das ist genauso falsch wie die Annahme einiger seiner Parteifreunde, diese Zeitung lasse nur FDP-Vertreter zu Wort kommen. Ein Irrtum auch, wenn auf der anderen Seite des Parteienspektrums zu hören ist, wir seien «Blocher-lastig».

Ein strammer Kurs ist beim «Sonntag» gar nicht nötig. Wir sind keiner Partei, sondern der Recherche verpflichtet. Unser Job ist es, was Blocher unter allen Umständen vermeiden will: Fragen zu stellen. Auf Seite 35 von «Das Blocher-Prinzip. Ein Führungsbuch» lässt er sich wie folgt zitieren: «Wer jemandem eine Frage stellt, veranlasst den Antwortenden zum Nachdenken, damit er die richtige Antwort geben kann (...) Darum sind Fragen an den Chef nicht zulässig, denn sie schwächen die Führung.» So verhält es sich auch in der SVP: bitte keine Fragen an den Chef, denn ein Untergebener soll einen Auftrag nicht hinterfragen. Blocher an derselben Stelle: «Wieso soll er diesen hinterfragen? Ausführen muss er ihn.» Wer die Mehrheit im Land will, muss sich Fragen gefallen lassen. Auch danach, ob die Attacke auf die bilateralen Verträge – sie sichern der Schweiz den Wohlstand – ein rein wahltaktisches Manöver ist.

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