Die Meldung der «Schweiz am Sonntag», der Kioskkonzern Valora spioniere seine Kunden mithilfe von WiFi-Daten aus, sorgte diese Woche für medialen Wirbel und Ärger bei der Kundschaft.

Der Kommentar:
«Valora is watching you», schrieb diese Zeitung letzte Woche in Anlehnung an George Orwells Klassiker «1984» über die Dystopie eines totalitären Überwachungsstaates. Die Kioskbetreiberin Valora (Umsatz: 2 Milliarden Franken) will unsere Handys mittels WiFi orten und so herausfinden, wie wir uns zwischen ihren Brezelkönig- und Avec-Filialen bewegen. Mit dem Ziel, mehr Profit zu erwirtschaften. Auf eine Deklaration des einseitigen Informationsflusses verzichtet Valora.

«Konsumenten an die Macht», «Datenschützer will Auskunft von Valora», «Der verfolgte Kunde» oder «Kiosk Tracking: ‹Das ist mir unheimlich›»: So lauteten die Schlagzeilen diese Woche. Das Thema bewegte die Gemüter auf den Onlineforen der Zeitungen. Der Aufschrei überrascht. Denn wir stehen schon heute splitterfasernackt da. Die zahlreichen Überwachungskameras in S-Bahnen, an Bahnhöfen und an öffentlichen Plätzen nehmen wir gar nicht mehr zur Kenntnis. Bei jeder iPhone-Softwareaktualisierung stimmen wir ohne zu zögern den ellenlangen Datenbestimmungen zu. Und auf Facebook haben wir uns daran gewöhnt, dass Werbung zu Themen aufpoppt, die wir kurz zuvor auf Google gesucht haben.

2016 ist nicht 1984. Valora ist nicht Big Brother. Und trotzdem: Es braucht den Aufschrei der Bevölkerung. Sie soll lautstark auf Transparenz pochen, denn nur so wird sie von der Politik erhört, die wiederum gefordert ist, dass auf die Transparenz die Kontrolle folgt. Überwacher gehören überwacht.

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