Der Kommentar: «Helfen Sie uns!» Wie bitte? Sepp Blatter appelliert an die Medien, seiner Fifa zu helfen. Das war am Freitag am Hauptsitz «Home of Fifa», ein Prunkgebäude, neben dem Schloss Lourdes wie ein Schrebergarten wirkt. Was uns Blatter sagen wollte: Böse Medien mit bösen Absichten schreiben böse Storys. Darum soll jetzt auch gegen die «Sunday Times» geklagt werden. Die Undercover-Methoden der Zeitung – Blatter nennt es eine Falle – sind in der Tat zu hinterfragen. Doch das führt am Kern der Sache vorbei, so wie auch das Blatter-Bashing zu einem langweiligen Volkssport verkommen ist. Helfen wir also Sepp Blatter.

Erstens: Korruption ist mindestens so schlimm wie Doping. Diese Sprachregelung stammt aus der Bundesverwaltung, quer durch alle Departemente hindurch. Mit grosser Ernsthaftigkeit treibt das Bundesamt für Sport einen von Bundesrat Ueli Maurer initiierten Korruptionsbericht voran. Im Ausland wird diese Suche nach Lücken in der Korruptionsgesetzgebung genau verfolgt. Schliesslich haben von der Fifa über die Uefa bis zum IOC über 50 internationale Sportverbände ihren Sitz in der Schweiz. Es reicht nicht aus, wenn Sepp Blatter davon spricht, dass die Sache für ihn «sehr unangenehm» sei. Der Kampf gegen die Korruption beginnt mit der Wahl der Worte.

Zweitens: Die Ethik-Kommission der Fifa ist eine gute Sache und ihr Präsident Claudio Sulser ein integrer Mann. Wenn aber nur schon der Eindruck von Befangenheit aufkommt, hat das Gremium verloren. Dann besteht die Unabhängigkeit nur auf dem Papier. Es braucht externe Experten. Wenn einer die Macht dazu hat, dann Blatter.

Drittens: Die Schweiz hat jetzt die Chance, sich an die Spitze einer internationalen Korruptionsbekämpfung im Sportbereich zu setzen. Mit Sepp Blatter. Er ist nicht das Problem. Aber er muss das Problem nicht nur anerkennen, sondern auch die Möglichkeiten mittragen, es anzupacken. Mit aller Härte. Im Sinne des Fifa-Mottos: «For the Game. For the World».