Glauben Sie mir: Mein Leben ist auch ohne Facebook spannend. Wer mich sucht, der findet mich auch ohne die Website «zur Bildung und Unterhaltung sozialer Netzwerke» (Wikipedia). 400 Millionen Nutzer in 6 Jahren mögen ein eindrückliches Zeugnis sein. Ein Ende der Zuwachsraten ist trotz Datenschutzproblemen nicht in Sicht. Kurzum: Wir alle sind Facebook.

Trotzdem gilt für mich: Ich brauche Facebook nicht und Facebook braucht mich nicht. Aber verdammen würde ich es deshalb nie. Genau dies tun aber viele Lehrer und Politiker. Sie misstrauen der schönen, neuen digitalen Welt. Facebook sei des Teufels. Wer es missbraucht und Lehrer terrorisiert, dem drohen neuerdings Strafanzeigen.

Statt Facebook sinnvoll in den Unterricht einzubauen, wird präventiv der Verbotshammer gezückt. Eltern müssen Verträge unterschreiben, dass ihre Kids nicht virtuell überborden. Erziehungsdirektoren schwebt ein eigentliches Facebook-Gesetz vor. Das ist der falsche Weg. Diese Netzwerke gehören zur Gegenwart wie iPhone, iPod und wohl auch in Zukunft iPad.

Ein PR-Berater lag mir kürzlich mit einer Studie in den Ohren. Jugendliche wurden befragt,
wo sie sich ihre Informationen holen. «Netzwerke wie Facebook laufen den Medien den Rang ab», hiess es darin. Das müsse uns Zeitungsmachern doch zu denken geben, meinte der PR-Mann süffisant. Stimmt. Nur: Facebook ist Unterhaltung. Nicht mehr. Eine Einordnung wie bei einer Zeitung findet der Leser – pardon: User – dort nicht.

Die einzige Gefahr bei Facebook: Das Sozialleben findet vor dem Computer statt. Aber gegen dieses Phänomen hilft kein Gesetz. Facebook ist nicht gefährlich. Es kann auch ein tolles Rechercheinstrument sein. Sagt man mir jedenfalls. Ich werde darüber nachdenken.

Mein Telefon hat übrigens keine Wählscheibe.