Es wird eng, auch in anderen Schweizer Agglomerationen. Unser kleines Land zählt heute eine halbe Million mehr Einwohner als noch vor zehn Jahren, die Zunahme ist prozentual stärker als überall sonst in Europa. 500 Menschen leben durchschnittlich pro bebaubaren Quadratkilometer – die Schweiz ist eines der am dichtesten bevölkerten Länder der Welt.

Niemand hat das Wachstum in den vergangenen Jahren ernsthaft hinterfragt. Mehr Einwohner = mehr Arbeitskräfte = mehr Wirtschaftswachstum = mehr Wohlstand = sichere AHV. So lautet die Gleichung, die nicht nur Bürgerliche, sondern auch Linke wie ein Naturgesetz akzeptieren, seit auch der damalige SP-Präsident Peter Bodenmann Wirtschaftswachstum als oberstes Ziel definierte. Einzig die Grünen sind angesichts der Verbetonierung und Zersiedelung alarmiert.

Jetzt, in der Krise, werden kritische Stimmen laut. Jetzt, wo sich zeigt, dass nicht nur die Sitzplätze im Zug, sondern auch die Arbeitsplätze in den Firmen nicht mehr für alle ausreichen, wird darüber diskutiert: Ist die Schweiz überbevölkert? Muss der Bundesrat die Ventilklausel anwenden?

Wer dazu Ja sagt, setzt sich dem Verdacht der Ausländerfeindlichkeit aus. Zu Unrecht. Erstens haben die EU-Länder Deutschland und Österreich die Ventilklausel bereits in Kraft gesetzt. Zweitens ist es legitim und sogar nötig, die Frage zu stellen: Wie viele Menschen erträgt die Schweiz? Oberstes Ziel muss es sein, die Lebensqualität der hiesigen Bevölkerung zu maximieren. Das geschieht nicht durch Wachstum um jeden Preis. Die Politik sollte sich der bis anhin verdrängten Frage annehmen.