Was heisst das für den Franken? Forderungen von Gewerkschaften und SP, einen neuen Euro-Mindestkurs von 1.15 oder 1.20 einzuführen, sind weiter von der Realisierbarkeit entfernt denn je. Nur schon den Kurs zwischen 1.05 und 1.10 zu halten, kostet die Nationalbank Milliarden: Aktuelle SNB-Zahlen zeigen, dass der Devisenberg im Februar weiter angeschwollen ist, um über 10 Milliarden auf inzwischen 500 Milliarden Franken. Seine schwindelerregende Höhe war es ja, mit der die SNB das Ende ihrer Mindestkurspolitik begründete. Nur: Diese Reserven steigen auch ohne Mindestkurs weiter an.

Auf SNB-Chef Thomas Jordan kommen schwere Zeiten zu. Fast jede Firma, die jüngst Stellen abbaute, begründet dies mit dem beinharten Franken (siehe Artikel links). Der «Blick» verpasste Jordan bereits das Etikett «Job-Killer der Nation». Die Politiker betonen zwar mantrahaft, die Unabhängigkeit der SNB nicht anzutasten. Aber gleichzeitig schreiben sie Vorstösse, die nichts anderes als Einflussnahmen und Misstrauensvoten gegenüber der SNB sind: Widerstand gegen die Negativzinsen für Pensionskassenguthaben, Wahl des SNB-Direktoriums durch die Bundesversammlung, Vergrösserung des Direktoriums.

Die SNB steht im Sturm wie seit den 90er-Jahren unter Markus Lusser nicht mehr. Vielsagend ist das Leck im Bundesrat, durch das ein brisantes SNB-Papier von Johann Schneider-Ammann und Eveline Widmer-Schlumpf an die Öffentlichkeit sickerte, welches mehr «Koordination» der SNB mit dem Bundesrat vorschlägt. Das zeigt: In höchsten Kreisen hat man offenbar ein Interesse daran, den Mann zu destabilisieren, der für die Unabhängigkeit der Nationalbank und ebenso für die Unabhängigkeit der Geldpolitik steht: Thomas Jordan. Ist er, dessen Karriere bislang ruhig verlief, dem zunehmenden Druck gewachsen?

Wer den Nationalbankchef zum Sündenbock macht, verkennt die globalen Realitäten. Es wirken Kräfte, die niemand beherrschen kann: Die Wirtschaft im Euroraum schwächelt, jene in den USA wächst stark, was dazu führt, dass der Euro gegenüber dem Dollar so schwach ist wie seit 2003 nicht mehr. Es ächzt im internationalen Währungsgefüge, und mittendrin der Franken. In der Exportwirtschaft, im Tourismus und im SNB-Direktorium braucht es in den nächsten Wochen starke Nerven.

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