Es muss hart sein für die Erzkonservativen in Soutanen, Talaren und Kutten. Zuerst der Druck, das Pflicht-Zölibat endlich abzuschaffen. Dann die Forderung, Frauen den Zugang zum Priestertum zu ermöglichen. Und jetzt auch noch das: schwule Priester! Um Gottes willen!

Der Aufschrei auf die kluge Initiative aus Basler Kirchen- und Juristenkreisen ist naturgemäss dort am grössten, wo kein Jota von der Haltung des Vatikans abgewichen wird. Für den obersten Schweizer Bischof, Norbert Brunner, ist Homosexualität des Teufels, wie er klarmacht. Alle anderen Formen der Sexualität als zwischen Mann und Frau in der Ehe entsprechen «nicht diesem Ideal», so Brunner.

Was ist jetzt besser? Klare Verhältnisse oder ein Doppelleben? Und es soll kein Geistlicher behaupten, es gebe in der Kirche keine versteckt ausgelebte Sexualität. Selbst TV-Pfarrer Christoph Schmitt gibt an, in seinem Jahrgang sei jeder Vierte schwul gewesen. Im dritten Buch Mose 20, 13 steht: «Wenn ein Mann mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehrt, haben sich beide auf abscheuliche Weise vergangen. Sie müssen getötet werden; ihr Blut findet keinen Rächer.» Die katholischen Hüter der Moral verweisen dann gerne auf den Begriff «zeitbedingt». Nach dem Motto: So sei das heute nicht mehr gemeint. Gott sei Dank. Aber richtig zeitbedingt wären schwule Priester.

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