Der Kommentar: Alte Vorurteile fallen. Etwa, dass die Bevölkerung nur wegen der Einwanderung wächst. Oder dass es vor allem die Ausländer sind, die Kinder zur Welt bringen. Hier kam es zu einer fast unbemerkten und ziemlich spektakulären Wende: In der Stadt Zürich etwa war Ende der 90er-Jahre fast jedes zweite Neugeborene ein Kind von Ausländern. Heute sind 70 Prozent Schweizer.

Ist unsere Gesellschaft auf den Babyboom vorbereitet? Nicht wirklich. Das zeigt sich bei kleinen Dingen. In den meisten Restaurants gibt es keinen Wickeltisch, schon gar nicht auf dem Männer-WC, und auch keine Spielecke (also geht man vor dem Dessert nach Hause). Viele SBB-Zweitklasswagen sind zu eng für Kinderwagen (also nimmt man das Auto). Und in manchen Dörfern und Stadtquartieren sucht man vergeblich einen Spielplatz. Entscheidend aber bleibt das grosse Thema: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Teilzeit und Arbeiten von zu Hause aus sind heute dank den neuen Kommunikationsmitteln leichter denn je – nicht alle, aber viele Jobs lassen sich mit Smartphone, Laptop und Tablet von überall her erfüllen. Nur wenige Arbeitgeber haben das gemerkt und die Chance genutzt: Effizienzsteigerung, Kostensparen und höhere Zufriedenheit der Arbeitnehmer und ihrer Familien auf einen Schlag. Und zwar auch bei Männern, denen Teilzeit- und Homeoffice-Arbeiten öfter verwehrt werden als Frauen.

Der Babyboom sollte Anlass sein, unsere Gesellschaft kinderfreundlicher zu machen. Gefordert ist hier nicht primär der Staat, wie dies manche Politiker glauben. Für die Lebensqualität der Kinder und ihrer Eltern ist entscheidend, dass die Privatwirtschaft umdenkt. Auch in ihrem eigenen Interesse.

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