Der Kommentar: Stellen Sie sich vor, Sie betreiben ein grosses Shoppingcenter am Ortsrand. Die Geschäfte laufen gut, Ihr Center gilt als eines der besten. Eines Tages erdreistet sich ein Gewerbler aber, einen Kiosk vor Ihren Haupteingang zu pflanzen. Sie nehmen das Telefon in die Hand: Der Gemeinderat muss die Baubewilligung verweigern. Sonst drohen Ihnen Einnahmenausfälle. Unfair sei das Ganze: Der Kiosk beteilige sich weder an Ihrem teuren Parkhaus noch an der Müüsliburg für die Kleinen. Ihre Kunden seien ohnehin zufrieden, die Versorgungssicherheit hoch – was soll der Kiosk da noch bringen?

Etwa in dieser Situation wähnen sich die SBB. Die Bundesbahnen dominieren heute den Markt. Sie betreiben alle Fernverkehrslinien, die meisten Regionalzüge und mit der S-Bahn Zürich das grösste S-Bahn-System. Die Nummern zwei und drei, die Berner BLS und die St. Galler SOB, sind kleine Fische – die Fachhändler im Ort sozusagen. Sie sind lokal begrenzt im Regionalverkehr tätig. Doch dabei soll es nicht bleiben: Die BLS will wieder in das Geschäft mit Fernverkehrszügen einsteigen. Ihr schweben zwei, drei Linien vor – beispielsweise aus dem Berner Oberland an den Zürcher Flughafen. Im Vergleich zum ganzen Fernverkehrs-Netz sind die Ideen bescheiden, etwa so wie beim Kiosk vor dem Shoppingtempel.

Natürlich führt das zu Einnahmenausfällen bei den gut geführten SBB. Aber, um beim Bild zu bleiben: Vielleicht bietet der Kiosk Gratis-WLAN oder einen besonders feinen Kaffee, den die Kunden mögen. Das kann Ansporn sein fürs Shoppingcenter, noch besser zu werden. Eingehen wird es deswegen nicht. Der Bund täte gut daran, dieses bisschen Wettbewerb zuzulassen.

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