Der Kommentar: Adoboli muss sich vor einem Londoner Strafgericht verantworten, die UBS ist hingegen nicht angeklagt. Trotzdem wird bereits nach wenigen Prozesstagen klar, dass auch die Schweizer Grossbank nicht ungeschoren davonkommen wird.

Protokolle aus dem internen Chatsystem der Investmentbank, E-Mails zwischen Adoboli und seinen Chefs und Ermahnungen auf frühere interne Verstösse zeigen, dass der Ghanaer mit englischen Eliteabschlüssen kein unbeschriebenes Blatt war. Im Gegenteil, Trader Adoboli hatte Grenzen mehrfach überschritten und private Wetteinsätze vorschriftswidrig geheim gehalten.

Statt den «Vorbestraften» zu versetzen oder gar zu verjagen, beförderte ihn die UBS. In drei Jahren verfünffachte er sein Fixsalär und vervielfachte seinen Bonus. Fast eine Million verdiente der Junior-Händler 2010, mehr als hohe Direktoren im stabilen Schweizer Retailgeschäft der Bank.

Dieses Verhalten wirft eine zentrale Frage für die zwölf Geschworenen auf. War Adoboli ein erfolgssüchtiger und bonusgetriebener Gambler, der das Schicksal der seriösen Schweizer Bank «auf den Wurf einer Münze» setzte, wie das die Anklage behauptet?

Oder glaubt das Gericht der Verteidigung, die Adoboli und seinen 2,3-Milliarden-Verlust als Resultat einer Casino-Kultur im Investmentbanking bezeichnet, in der nicht die Vorsichtigen Karriere machen und reich belohnt werden, sondern jene, die besonders abgebrüht und risikofreudig sind?

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