Der Kommentar: Noch vor wenigen Monaten, als der Franken zu seinem Höhenflug ansetzte, äusserten viele Politiker und Publizisten einen unverhohlenen Stolz über die Rolle des Frankens als «sicherer Hafen». Die EU mit ihren Finanzproblemen und dem «kriselnden» Euro wurde belächelt und mit guten Ratschlägen hielten viele Mitglieder der Ökonomen-Zunft nicht zurück. Die Nationalbank wurde wegen ihres frühzeitigen Versuchs, den Anstieg des Frankens zu bremsen, um eine Deflationsspirale zu verhindern, kritisiert und gar verunglimpft.

Jetzt, wo viele Unternehmen Verluste einfahren und einigen das Wasser am Hals steht, ist plötzlich alles anders. Der Ruf nach Unterstützung und staatlicher Hilfe wird lauter. Bereits schlägt der Bundesrat Hilfe in Milliardenhöhe vor. Das ist durchaus verständlich, aber wenig zielführend. Es wird Allokationsprobleme zu lösen geben, die Empfänger müssen überwacht werden, die Bürokratie wird wachsen (statt zu schrumpfen, wie eine laufende Initiative verlangt).

Ein weiterer Versuch besteht darin, überhöhte Importpreise zu drücken, um inländische Kosten zu senken. Das kann aber KMU belasten, die nur im Inland produzieren. Die Erwartung niedrigerer Preise kann auch die Konsumlust dämpfen: Deflation nennt man das.

Es gibt eine liberale Alternative zu all diesen Massnahmen: Das Verhältnis unserer Währung wieder in ein wirtschaftlich sinnvolles Verhältnis zu unseren wichtigen Handelspartnern zu bringen. Wer ständig von der Krise des Euro und der Euroschwäche redet, sollte zur Kenntnis nehmen, dass die Relation Euro, US-Dollar, chinesischer Yuan und Hongkong-Dollar seit 6 Monaten, seit der Höhenflug des Frankens richtig in Fahrt kam, sehr stabil ist. Wir sind nicht die Sonne, um die diese Währungen kreisen.

Eines der grössten Probleme unserer Zeit ist, dass es nicht zu wenig Geld in der Welt gibt, sondern zu viel. In den vergangenen 30 Jahren wurden riesige fiktive Kapitalien aufgebaut, denen keine realen Werte gegenüber stehen. War das Verhältnis Finanzwirtschaft zu Realwirtschaft in den frühen 80er-Jahren noch 1:1, so ist es heute 4:1. Gegenwert dieser (Pseudo-)Kapitalien sind zum Beispiel Staatsschulden, aber auch überhöhte Immobilienwerte, überdehnte Bankbilanzen oder gar Leerverkäufe. Ein besonders typisches Phänomen in diesem Umfeld sind die Hedge Funds, von denen es laut Statistiken für rund zwei Billionen Dollar gibt, und deren einziges Ziel es ist, Kursdifferenzen an Märkten auszunützen beziehungsweise diese auch in ihrem Sinn zu bewegen. Das ist nicht, was man effiziente Märkte nennt.

In diesem schwierigen Umfeld sind die Notenbanken aufgerufen, ihre Geld- und Währungspolitik zu führen. Das gilt für die Europäische Zentralbank genauso wie für die viel kleinere Schweizerische Nationalbank (SNB). Die Notenbanken sind die Einzigen, die in der Lage sind, solchen Angriffen von geballten Spekulationskapitalien die Spitze zu brechen, seien sie gegen Obligationen verschuldeter Staaten gerichtet oder gegen die eigene Währung. Erfolgreich können sie aber nur sein, wenn ihre Absicht über jeden Zweifel erhaben ist. Dazu gehört im Fall der SNB, dass sie alle Mittel einsetzen kann, die ihr zur Verfügung stehen – auch das Setzen einer oberen Grenze für die Aufwertung gegenüber dem Euro.

In letzter Zeit haben diverse Politiker die Meinung geäussert, sie würden jede Massnahme zur Senkung des Frankenkurses unterstützen, aber Euros dürfe die Nationalbank keine mehr kaufen. Gerade mit solchen Aussagen streuen sie aber Zweifel an der Handlungsfähigkeit der SNB und gefährden den Erfolg ihrer Aktionen.

Nur wenn es der Nationalbank gelingt, die Aufwertung des Frankens zu brechen, kann sie bleibenden Schaden von unserer Wirtschaft abwenden. Dazu ist es nötig, dass alle Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft wie ein Mann hinter ihr stehen und die SNB alle nötigen Mittel zum Erfolg ihrer Aufgabe glaubwürdig einsetzen kann. Politiker, die sich mit ihrer verqueren Haltung gegenüber der EU nicht zurückhalten können, sollten in diesem Zusammenhang am besten schweigen. Vor 70 Jahren, im Zweiten Weltkrieg, half uns die Devise: «Wer nicht schweigt, schadet der Heimat». Sie wäre auch jetzt angebracht.

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