Der Kommentar: Oswald Grübel kriegt, was er will. Zuerst alle Freiheiten, um nach der Credit Suisse auch den einstigen Erzrivalen UBS nach gleichem Rezept auf Vordermann zu trimmen. Jetzt stellt sich der Erfolg ein. Er hat die UBS nach anderthalb Jahren nicht nur zurück in die schwarzen Zahlen geführt. Mit einem Halbjahresgewinn von 4,2 Milliarden Franken überflügelte er in den ersten sechs Monaten auch seine vormalige Arbeitgeberin CS um mehr als eine halbe Milliarde.

Der Erfolg ist Grübel zu gönnen. Ohne Machtfülle wäre er undenkbar gewesen. Bisher hat Grübel das in ihn gesetzte Vertrauen nicht enttäuscht. Doch wie die Erfahrung zeigt: Unkontrollierte Macht birgt auch die Gefahr, der Allgemeinheit Schaden zuzuführen. Und die UBS droht, erneut zur One-Man-Show zu werden.

Wie schon bei der CS hat Grübel die UBS-Konzernleitung mit Gefolgsleuten besetzt. Mit dem sich einstellenden Erfolg wird es für den formalen UBS-Präsidenten und Nicht-Banker Kaspar Villiger praktisch unmöglich, Grübel Paroli zu bieten. Es war Grübel, der sich gegen die «Too big to fail»- Regeln öffentlich zur Wehr setzte . Dabei sollte das Politparkett das Wirkungsfeld Alt-Bundesrat Villigers sein. Doch vom UBS-Präsidenten ist seit Amtsantritt wenig und mittlerweile gar nichts mehr zu hören. Dass Grübel jetzt auch bei der UBS wie zuvor bei der CS im Sponsoring seinen persönlichen Vorlieben zum Durchbruch verhilft, zeigt: Die UBS wird immer mehr zur Grübel-Bank.

Ex-UBS-Präsident Marcel Ospel wurde zunächst als «Mr. UBS» bejubelt und hernach für die Machtfülle seines berüchtigten «Chairman’s Office» geächtet. Nun ist das Allmachtzentrum der UBS in der Geschäftsleitung gerutscht. Und eine Kontrolle über die wieder grösste und wertvollste Schweizer Bank fehlt. Mit dem sich international abschwächenden Regulierungselan ist es auch fraglich, ob sie von aussen kommen kann. Grübel wird das Machtvakuum als werdende Banker-Legende noch so gern füllen und die Rendite der Bank und seinen Bonus weiter erhöhen.