Derweil befinden sich nach wie vor Tausende von verzweifelten Afghanen, Syrern und Irakern auf der Flucht. Die asylpolitischen Verschärfungen in Europa halten sie davon nicht ab. Die Hoffnung ist stärker – die Hoffnung auf ein sicheres Leben in einem friedlichen Land – und die Hoffnung auf Arbeit. Ex-SP-Nationalrat Rudolf Strahm hat recht, wenn er sagt, die 40 000 Asylbewerber, die im vergangenen Jahr in die Schweiz kamen, seien eine tickende Zeitbombe für unsere Gesellschaft. Sie müssen so rasch wie möglich beschäftigt werden. Ansonsten beginnen sie an Bahnhöfen herumzulungern oder rutschen in die Kriminalität ab.

Die Kantone bemühen sich um die rasche Integration. Doch wie eine Analyse zeigt, tun sie das mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Insbesondere die Westschweizer Kantone schaffen es nur ungenügend, die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zum Teil ist das erklärbar mit den Arbeitslosenzahlen, die in der Romandie höher sind. Doch es scheint auch, dass zu wenig für die Integration unternommen wird.

Das Beispiel von Graubünden zeigt, dass es anders geht: Der Kanton investiert in Unterstützungsprogramme – über die Bundespauschale von 6000 Franken hinaus, die schnell nur schon für den Sprachkurs aufgebraucht ist. Und die Investition lohnt sich, wie erste Erfahrungen zeigen. Die Bündner sprechen mit jedem einzelnen Flüchtling, um seine Fähigkeiten zu eruieren. Das macht nicht nur menschlich Sinn, sondern auch wirtschaftlich: Ein eritreischer Arzt ist als Pflegemitarbeiter im Spital besser aufgehoben denn als Hilfsarbeiter auf einem Zuckerrübenfeld.

Im Gegensatz zum Kosovo-Krieg, bei dem ein Grossteil der Flüchtlinge relativ rasch wieder in ihre Heimat zurückkehrten, ist diesmal davon auszugehen, dass viele Verfolgte hier bleiben. Wer kein Recht auf Asyl hat, muss zurück – die anderen aber sollten so rasch wie möglich in den Arbeitsmarkt integriert werden. Sonst werden die Sozialhilfe-Ausgaben explodieren.

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